{"id":47679,"date":"2026-07-24T07:13:39","date_gmt":"2026-07-24T05:13:39","guid":{"rendered":"https:\/\/balticwind.eu\/deutschlands-offshore-neustart-wie-2026-das-vertrauen-in-einen-stockenden-markt-zurueckbrachte\/"},"modified":"2026-07-24T07:13:39","modified_gmt":"2026-07-24T05:13:39","slug":"deutschlands-offshore-neustart-wie-2026-das-vertrauen-in-einen-stockenden-markt-zurueckbrachte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/balticwind.eu\/de\/deutschlands-offshore-neustart-wie-2026-das-vertrauen-in-einen-stockenden-markt-zurueckbrachte\/","title":{"rendered":"Deutschlands Offshore-Neustart: Wie 2026 das Vertrauen in einen stockenden Markt zur\u00fcckbrachte"},"content":{"rendered":"<p>Deutschland startete 2026 mit einem stockenden Offshore-Windprogramm. Eine Auktion war 2025 gescheitert, die f&uuml;r 2026 geplanten Runden wurden ausgesetzt, und es bestand offener Zweifel, ob mehrere bereits bezuschlagte Projekte &uuml;berhaupt gebaut w&uuml;rden. Was folgte, war weniger ein einzelner Durchbruch als eine Reihe von Korrekturen &mdash; beim Nordsee-Gipfel, in der Bundesnetzagentur, im Bundesrat und entlang einer Lieferkette, die zunehmend &uuml;ber die Ostsee verl&auml;uft.<\/p>\n<p>Die Diagnose des Bundesverbands Windenergie Offshore (BWO) war deutlich: Das Auktionsdesign selbst m&uuml;sse sich &auml;ndern. Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer Stefan Thimm verwies auf die gescheiterte Ausschreibung 2025 und die ausgesetzten Runden 2026 als Beleg daf&uuml;r, dass das aktuelle Modell Investitionen abschreckt, und argumentierte, Deutschland brauche ein indexiertes, zweiseitiges Differenzvertrags-Modell (CfD), um die Finanzierungsbedingungen zu verbessern und die Realisierungswahrscheinlichkeit der Projekte zu erh&ouml;hen.<\/p>\n<h2>Ein Pakt in Hamburg<\/h2>\n<p>Das deutlichste Signal kam vom Nordsee-Gipfel in Hamburg, wo die Regierungen der Nordsee-Anrainerstaaten, &Uuml;bertragungsnetzbetreiber und die Industrie einen Offshore-Wind-Investitionspakt vereinbarten. Darin verpflichteten sich die Regierungen, zwischen 2031 und 2040 j&auml;hrlich 15 GW Offshore-Leistung auszuschreiben, davon mindestens 10 GW pro Jahr &uuml;ber indexierte, bilaterale CfDs abgesichert &mdash; genau der Mechanismus, den die Branche gefordert hatte.<\/p>\n<p>Parallel unterzeichneten der BWO und WindEurope eine Offshore Wind Industry Declaration, die einen langfristigen europ&auml;ischen Ausbaupfad von 300 GW unterst&uuml;tzt. Im Gegenzug f&uuml;r festere politische Zusagen sagte die Industrie zu, die Stromgestehungskosten von Offshore-Projekten real um 30 Prozent zu senken. &bdquo;Die europ&auml;ischen L&auml;nder r&uuml;cken in der Nordsee n&auml;her zusammen und intensivieren ihre Zusammenarbeit&ldquo;, sagte Hans Sohn, Leiter Politik und Kommunikation beim BWO, und bezeichnete verl&auml;ssliche Mengen und stabile Ausschreibungen als Voraussetzung f&uuml;r Investitionen in Projekte, H&auml;fen, Schiffe und Fachkr&auml;fte.<\/p>\n<h2>Bereits get&auml;tigte Investitionen sch&uuml;tzen<\/h2>\n<p>Vertrauen h&auml;ngt auch davon ab, die Spielregeln nicht r&uuml;ckwirkend zu &auml;ndern. Bei der Ausarbeitung ihres neuen Allgemeinen Netzentgeltsystems (AgNes) schlug die Bundesnetzagentur vor, bestehende Offshore-Windparks und bereits ausgeschriebene Projekte von einer geplanten Kapazit&auml;tsabgabe auszunehmen. Eine vom BWO bei der Beratung Neon beauftragte Studie argumentierte, dass Erzeugernetzentgelte die Standortwahl offshore ohnehin nicht steuern w&uuml;rden &mdash; Standorte, Netzanbindungen und Anschlusskapazit&auml;ten werden zentral staatlich geplant, es bleibt also keine Standortentscheidung, die sich beeinflussen lie&szlig;e &mdash; w&auml;hrend sie die Kosten erh&ouml;hen und &uuml;ber h&ouml;here, vom Bund abgesicherte CfD-Gebote die Rechnung lediglich verlagern w&uuml;rden.<\/p>\n<p>Thimm begr&uuml;&szlig;te die Haltung des Regulierers und merkte an, dieser habe seine Position gegen&uuml;ber den ersten &Uuml;berlegungen vom Februar &bdquo;deutlich gesch&auml;rft&ldquo;, dr&auml;ngte zugleich aber auf eine f&ouml;rmliche, dauerhafte Ausnahme statt einer vorl&auml;ufigen.<\/p>\n<h2>Der Bundesrat bewegt sich<\/h2>\n<p>Die L&auml;nderkammer, der Bundesrat, verabschiedete daraufhin eine Entschlie&szlig;ung &mdash; eingebracht von Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Niedersachsen &mdash;, die weite Teile der BWO-Agenda aufgriff, vom CfD-basierten Auktionsdesign bis zur grenz&uuml;berschreitenden Zusammenarbeit. Sie forderte die Bundesregierung auf, vor der Sommerpause einen Entwurf zur Novelle des Windenergie-auf-See-Gesetzes vorzulegen, damit ein neues Auktionsdesign f&uuml;r Ausschreibungen ab 2027 gelten kann.<\/p>\n<p>Die Entschlie&szlig;ung unterst&uuml;tzte auch einen von der Branche geforderten Mechanismus: einen gesetzlich geregelten Weg f&uuml;r Entwickler, zwischen 2023 und 2025 vergebene Fl&auml;chen, die nicht mehr tragf&auml;hig erscheinen, freiwillig zur&uuml;ckzugeben, um Meeresboden und Netzanschlusskapazit&auml;t f&uuml;r eine rasche Neuausschreibung freizugeben, statt sie blockiert zu lassen. Zudem bekr&auml;ftigte sie das gesetzliche Ziel von mindestens 70 GW Offshore-Windleistung bis 2045.<\/p>\n<h2>Die Ostsee-Verbindung<\/h2>\n<p>Ein gro&szlig;er Teil der Kostenrechnung f&uuml;r dieses 70-GW-Ziel beruht inzwischen auf grenz&uuml;berschreitender Zusammenarbeit. Eine Fraunhofer-IWES-Studie f&uuml;r den BWO und den Energiewirtschaftsverband BDEW ergab, dass die direkte Anbindung von Offshore-Windparks in den ausschlie&szlig;lichen Wirtschaftszonen D&auml;nemarks und Schwedens an das deutsche Netz &mdash; sogenannte Radialanbindungen &mdash; die Stromertr&auml;ge um bis zu 13 Prozent steigern und zugleich die Systemkosten senken k&ouml;nnte, wobei bis zu 20 GW in Nachbargew&auml;ssern entst&uuml;nden, aber auf das deutsche Ziel angerechnet w&uuml;rden. Die r&auml;umliche Streuung verringert die Abschattungseffekte, die die Ertr&auml;ge mindern, wenn Turbinen in der Deutschen Bucht dicht gedr&auml;ngt stehen.<\/p>\n<p>Die industrielle Dividende ist an der Ostseek&uuml;ste bereits sichtbar. Dajin Offshore, Chinas gr&ouml;&szlig;ter privater Hersteller von Offshore-Windfundamenten, hat die polnische staatliche Werft Stocznia Szczeci&#324;ska &bdquo;Wulkan&ldquo; mit der Fertigung von mindestens 40 internen Plattforms&auml;tzen f&uuml;r Nordseecluster B beauftragt &mdash; dem bis zu 1,6 GW gro&szlig;en Projekt von RWE und Norges Bank Investment Management in der deutschen Nordsee, dessen kommerzieller Betrieb ab 2029 beginnen soll. Der Vertrag &uuml;ber 47 Millionen Zloty bindet rund 200 Menschen ein und zeigt, wie ein deutscher Ausbau Arbeit in Ostseeh&auml;fen und -werften zur&uuml;ckspeist.<\/p>\n<h2>Was als N&auml;chstes zu beobachten ist<\/h2>\n<p>Der Neustart ist real, aber unvollendet. Seine Glaubw&uuml;rdigkeit h&auml;ngt nun von der Umsetzung ab: ob die Regierung die Empfehlungen des Bundesrates rechtzeitig f&uuml;r die Ausschreibungen 2027 in eine verabschiedete Novelle &uuml;berf&uuml;hrt und ob ein zweiseitiges CfD-Modell nach zwei gescheiterten Runden tats&auml;chlich wieder Bieter anzieht. H&auml;lt es, wird Deutschlands Kurskorrektur zur Vorlage daf&uuml;r, wie ein reifer Offshore-Markt nach einem Stolpern neu startet &mdash; und dabei immer enger mit seinen Ostsee-Nachbarn verflochten ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach einer gescheiterten Auktion 2025 und ausgesetzten Runden 2026 setzt Deutschland seinen Offshore-Windmarkt neu auf \u2014 mit einem Nordsee-Investitionspakt, Schutz bestehender Projekte, einer Bundesrats-Reform und grenz\u00fcberschreitender Zusammenarbeit, die zunehmend \u00fcber die Ostsee verl\u00e4uft.<\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":47674,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2070,2068,2058],"tags":[],"class_list":["post-47679","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-deutschland","category-editors-choice-de","category-offshore-wind-aktuell"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/balticwind.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/47679","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/balticwind.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/balticwind.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/balticwind.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/balticwind.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=47679"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/balticwind.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/47679\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/balticwind.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/47674"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/balticwind.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=47679"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/balticwind.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=47679"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/balticwind.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=47679"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}