Der europäische Markt für Corporate Power Purchase Agreements (PPA) aus erneuerbaren Energien steht unter Druck – ausgerechnet in einer Phase, in der die EU ihre Elektrifizierungsrate verdoppeln will. Das teilte die Plattform RE-Source zum Auftakt ihrer zehnten Jahrestagung am 4. November 2026 in Amsterdam mit. An der zweitägigen Veranstaltung (4.–5. November) nehmen rund 1.400 Personen teil.

Nach Angaben der Plattform haben europäische Unternehmen 2026 bislang 5,9 GW erneuerbare Kapazität über Corporate PPAs kontrahiert – 9,7 % weniger als im gleichen Zeitraum 2025. Häufigere Null- und Negativpreise erhöhen die Risiken für Verkäufer wie Käufer und können langfristige Pay-as-produced-Verträge weniger attraktiv machen, insbesondere für Abnehmer, die ihren Verbrauch nicht leicht verlagern können.

Die Veranstalter verweisen auf den im Juli veröffentlichten Elektrifizierungs-Aktionsplan der Europäischen Kommission, der die Elektrifizierungsrate Europas bis 2040 auf 46 % anheben soll und den Abbau von Hemmnissen für PPAs anerkennt. Aus ihrer Sicht ist dieses Ziel bislang nicht in konkrete Maßnahmen übersetzt worden. Als ersten Schritt fordern sie, PPAs als Teil der EU-Dekarbonisierungslösungen anzuerkennen und über den EU-ETS-Investitionsbooster zu unterstützen sowie Herkunftsnachweise in der Treibhausgasbilanzierung zu berücksichtigen.

Auf der Angebotsseite sei der Windausbau 2026 auf Rekordkurs, der Solarzubau liege nahe dem Rekordniveau von 2024, so die Plattform. Unzureichende Investitionen in Netze und Batteriespeicher sowie langsame Genehmigungsverfahren bremsten jedoch beide Technologien weiter. Der Abbau dieser Engpässe würde Abregelungen und negative Preise verringern und Investoren Sicherheit geben. Auf der Abnehmerseite seien flexiblere Nachfrage, Speicher, stärkere Netze und gut gestaltete Förderinstrumente nötig.

„Hohe Gaspreise zeigen, warum Europa sich mit heimischen erneuerbaren Energien elektrifizieren muss“, sagte Annie Scanlan, Geschäftsführerin von RE-Source. Die Plattform vereint Unternehmen als Abnehmer und Lieferanten erneuerbaren Stroms; WindEurope und SolarPower Europe gehören zu den Gründungsmitgliedern. Für den Ostseeraum, in dem neue Offshore- und Onshore-Windkapazitäten zunehmend von langfristiger Abnahme und Netzzugang abhängen, hat die Debatte unmittelbare Bedeutung für die Finanzierung künftiger Projekte.