Der belgische Übertragungsnetzbetreiber Elia hat in Anthisnes in der wallonischen Region Condroz die erste SF6-freie gasisolierte Schaltanlage (GIS) in seinem Netz in Betrieb genommen. Die wallonische Energieministerin Cécile Neven und Vertreter der Gemeinde besichtigten die Anlage am Freitag, 16. Oktober.

SF6 ist ein Gas, das lange zur Isolierung in Hochspannungsanlagen verwendet wurde. Das Umspannwerk Anthisnes musste modernisiert werden, um künftigen Netzanforderungen zu genügen; Elia setzte dort erstmals auf GIS-Technik ohne dieses Gas. Projektpartner ist Siemens Energy. Mit dem Austausch des Transformators steigt die Kapazität des Umspannwerks von 13 auf 25 MVA, was nach Angaben von Elia die Anschlussmöglichkeiten in der Region verbessert. Der Ausbau bietet auch dem Verteilnetzbetreiber RESA zusätzliche Lösungen für die Netzzuverlässigkeit.

Elia bezeichnet Anthisnes als Pilotprojekt. Die Anlage wird unter realen Betriebsbedingungen überwacht, die Erkenntnisse sollen künftige Investitionen in Hochspannungstechnik leiten. Der Betreiber beteiligt sich zudem an europäischen Initiativen zum Erfahrungsaustausch über SF6-Alternativen. Er verweist auf den europäischen Rechtsrahmen, der in den kommenden Jahren einen schrittweisen Umstieg weg von SF6 in elektrischen Betriebsmitteln vorsieht.

„Mit dem Einsatz unserer ersten SF6-freien GIS können wir eine nachhaltigere Technologie unter realen Bedingungen erproben“, sagte David Zenner, Chief Grid Solutions Officer bei Elia. Neven sprach von praxiserprobten Lösungen, die Zuverlässigkeit, Innovation und Dekarbonisierung verbinden.

Das Projekt ist über Belgien hinaus relevant: Der SF6-Ersatz beschäftigt Übertragungsnetzbetreiber in ganz Europa, auch jene, die Offshore- und Onshore-Anbindungen rund um die Ostsee ausbauen.