Litauens einziger Seehafen wird gleichzeitig auf drei Ebenen umgebaut: neues Land und Wellenbrecher im Süden, Kais mit doppeltem Verwendungszweck für verbündete Marinen und Offshore-Windkraft sowie erste Vorarbeiten für alternative Schiffskraftstoffe. Dieser Überblick folgt den wichtigsten Schritten der Hafenbehörde von Klaipėda in der Reihenfolge ihrer Ankündigung und zeigt, was sie jeweils für die kommenden Jahre vorbereiten.
Ende August 2026: Die Arbeiten im Süden beginnen. Der Hafen startete die Geländevorbereitung im Südbereich und brachte damit die größte Erweiterung seiner Geschichte in die Bauphase. Der Bau der Wellenbrecher, den Tilsta für 24,5 Millionen Euro ohne Mehrwertsteuer übernommen hat, sollte im Herbst 2026 beginnen, sobald das Gelände bereit ist. Fast 600 Millionen Euro des Investitionsprogramms 2026–2029 sind für die Süderweiterung vorgesehen; mit den noch ausstehenden privaten Investitionen beziffert die Hafenbehörde den Gesamtwert auf mehr als eine Milliarde Euro. Die Wellenbrecher sollen außerdem den Zustrom von Salzwasser in das Kurische Haff begrenzen, und Hafendirektor Algis Latakas verknüpfte das Projekt mit dem Bedarf an militärischer Mobilität an der Ostflanke des Bündnisses.
Anfang September: ein Konzept für grünes Methanol. Die Hafenbehörde schloss ein Konzept für ein Bunkerschiff für grünes Methanol mit 800 Tonnen Kapazität ab, das bis zu 250.000 Tonnen jährlich liefern kann. Entworfen hat es Western Baltic Engineering im Rahmen des Projekts H2Deri@BSP mit 14 Partnern. Eine Marktstudie von Moffatt & Nichol Baltics kam zu dem Ergebnis, dass der Markt für grünes Methanol im Ostseeraum noch am Anfang steht, Häfen mit Bunkerangebot für alternative Kraftstoffe für Reedereien aber voraussichtlich attraktiver werden. In Klaipėda arbeitet bereits eine Anlage für grünen Wasserstoff; erste Nachfrage wird von Regionalschiffen, Fähren und Schiffen für Offshore-Windparks erwartet.
15. September: 100 Millionen Euro von der EIB. Die Europäische Investitionsbank unterzeichnete einen Kredit über 100 Millionen Euro, der bis zur Hälfte der Projektkosten von rund 201 Millionen Euro abdeckt; der Abschluss ist bis Ende 2027 vorgesehen. Das Programm passt Teile des zivilen Kreuzfahrtterminals an NATO-Anforderungen an, ergänzt Landstrom für Fähren und eine Tankstelle für grünen Wasserstoff und baut Kaianlagen um, damit Klaipėda als Basis für Bau und Wartung von Offshore-Windparks dienen kann. Sicherheit und Verteidigung gehören nach Angaben der Bank seit 2025 zu ihren Kernprioritäten; der Kredit für Klaipėda ist eines der ersten Ostseehafenprojekte, die ausdrücklich auf dieser Grundlage und neben Zielen der Energiewende finanziert werden.
Wie es weitergeht. Drei Termine und Entscheidungen prägen die nächste Phase: der Baubeginn der Wellenbrecher im Süden, der Abschluss des EIB-geförderten Programms bis Ende 2027 und der Start der ersten litauischen Offshore-Windprojekte, für die ein Schwerlastkai in der Nähe der Standorte Voraussetzung ist, um sie vom eigenen Hafen statt von polnischen oder dänischen Häfen aus zu errichten und zu warten. Der Methanol-Strang ist am unsichersten. Er besteht aus einem Konzept und einer Marktbewertung, nicht aus einem Auftrag, und die Nachfrage hängt davon ab, wie schnell sich grüne Schifffahrtskorridore in der Ostsee entwickeln.
Zusammengenommen zeigen die drei Schritte einen Hafen, der sich als gemeinsame Infrastruktur für Verteidigung, Windkraft und Schifffahrt aufstellt. Entscheidend wird sein, ob Geld und Zeitpläne halten und ob die Offshore-Windprojekte, für die die neuen Kais vorbereitet werden, rechtzeitig kommen.








