Nebeneinandergelegt zeichnen vier Veranstaltungen aus der ersten Jahreshälfte 2026 ein gutes Bild davon, woran der Energiesektor arbeitet. Sie reichen von einer politischen Konferenz in Warschau über einen Daten-Workshop in Rotterdam bis zur größten Energiemesse des Kontinents in München. Der gemeinsame Nenner ist weniger der Zubau neuer Leistung als das Funktionieren des Systems drumherum: Daten, Speicher, Flexibilität und Sicherheit.
Den weitesten Blick bot die The smarter E Europe in München, die am 25. Juni endete. Nach Angaben der Veranstalter kamen 2.650 Aussteller aus 52 Ländern und rund 105.000 Fachbesucher aus 163 Ländern. Das Leitthema lautete „Renewables 24/7“: wie Solar, Wind, Speicher und intelligente Netze rund um die Uhr zuverlässig Strom liefern können. Deutschland erzeugt bereits etwa 60 Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Quellen, so die Veranstalter, und gibt zugleich rund 80 Milliarden Euro jährlich für fossile Importe aus. Eine Vertreterin des Bundesumweltministeriums sagte den Delegierten, die Energiewende betreffe inzwischen rund 440.000 Arbeitsplätze, wirtschaftliche Resilienz und nationale Sicherheit, nicht nur den Klimaschutz. Die nächste Ausgabe ist für den 8. bis 10. Juni 2027 geplant.
Den engsten, technischsten Blick lieferte der Technology Workshop von WindEurope, der am 11. und 12. Juni zum 15. Mal in Rotterdam stattfand. Erwartet wurden mehr als 450 Fachleute und über 70 technische Poster, etwa zu LiDAR-Messungen, Nachlaufeffekten, Abregelung, Validierung des Jahresertrags, Fehlererkennung und Lebensdauerbewertung. Vorgestellt wurden auch die Abschlussergebnisse des Projekts WILLOW zu Zustandsüberwachung und Restlebensdauerbewertung. Das zeigt einen Sektor, der vom Zubau von Turbinen dazu übergeht, mehr aus den bestehenden herauszuholen.
In Polen stellte die 43. Energiekonferenz EuroPOWER & OZE POWER, die am 30. und 31. März in Warschau stattfand, Sicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und gesellschaftliche Akzeptanz in den Mittelpunkt. Angekündigte Themen waren unter anderem polnische Kernenergie und kleine modulare Reaktoren, souveräne Datenarchitektur, Energiespeicher, Netzanschlüsse sowie die Herausforderungen der Ostsee neben dem Repowering der Windenergie an Land. Das Programm prägten Regulierer, Netzbetreiber und Versorger, was zeigt, wo polnische Entscheidungen über Wind und Speicher entstehen.
Das vierte Element blickt weiter voraus. Eine technische Übersicht zu Höhenwindenergiesystemen hält fest, dass herkömmliche Turbinen Wind unterhalb von etwa 200 Metern nutzen, wo die Kapazitätsfaktoren typischerweise unter 35 Prozent bleiben, und dass angeleinte Drachen, Gleiter oder Drohnen auf stärkere Winde darüber zielen. Dieselbe Übersicht stellt klar, dass autonome Flugsteuerung, haltbare Seile, planbare Leistung und Zertifizierung offene Probleme sind. Für die Ostsee dürfte die Lesart über alle vier Quellen hinweg eine Ergänzung statt eines Ersatzes sein: mehr Wind, besser betrieben, gestützt von Speichern und Netzen, mit neuen Konzepten weiter am Rand der Agenda.








