Sinkende Auktionspreise und steigende Baukosten verschärfen die Wirtschaftlichkeit neuer Onshore-Windprojekte in Deutschland. Ein häufig unterschätzter Faktor ist dabei die nächtliche Schalldrosselung von Windenergieanlagen, wie das auf Schalloptimierung spezialisierte Unternehmen Dezibel Engineering darlegt.

Bei der jüngsten Onshore-Ausschreibung der Bundesnetzagentur im Februar 2026 lag der durchschnittliche Zuschlagswert bei 5,54 Cent pro Kilowattstunde, während die Kosten für Bau und Finanzierung weiter steigen. Bei derart engen Margen können schon kleine Ertragsverluste darüber entscheiden, ob ein Projekt finanzierbar ist.

Viele Windparks dürfen nachts nur mit reduzierter Leistung laufen oder müssen einzelne Anlagen ganz abschalten, um strengere nächtliche Schallrichtwerte einzuhalten. Da der Wind nachts oft stärker weht, fällt die Drosselung dann besonders ins Gewicht. Vorsichtige Annahmen aus der Genehmigungsphase blieben häufig über die gesamte Laufzeit bestehen, obwohl sie bei genauerer Prüfung nicht erforderlich seien, so das Unternehmen.

Dezibel Engineering rechnet ein Beispiel vor: Eine moderne 6-MW-Anlage an einem Standort mit 55 Prozent Standortgüte nach EEG 2023 erzielt durch den Korrekturfaktor eine effektive Vergütung von 7,95 ct/kWh bei einem Zuschlagswert von 5,6 ct/kWh. Mit rund 2.200 Volllaststunden im nächtlich gedrosselten Betrieb erzeugt das Projekt etwa 13.200 MWh pro Jahr und gut eine Million Euro Umsatz — unterhalb der Wirtschaftlichkeitsschwelle. Würden unnötige Drosselungen über ein Änderungsverfahren nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz beseitigt, könnte der Jahresertrag laut Unternehmen um etwa elf Prozent steigen und das Projekt rentabel werden.

Der Zielkonflikt ist im gesamten Ostseeraum relevant, wo Onshore-Wind-Entwickler vor ähnlichen Abwägungen zwischen Lärmschutz und Ertrag stehen. Nach eigenen Angaben hat Dezibel Engineering in 29 Windparks mehr als 82 Millionen kWh zusätzlichen Jahresertrag erschlossen.