Die Elektrifizierung ist für die europäische Industrie bereits ein Wettbewerbsvorteil, skaliert aber nicht schnell genug — das ist das Ergebnis eines neuen Eurelectric-Berichts, der beim Power Summit vorgestellt wurde. Auf Basis von Erkenntnissen aus 61 Unternehmen und 30 konkreten Projekten zeigt er, was ein Industrie-Elektrifizierungsprojekt gelingen lässt und was den Ausbau bremst.

Der Bericht benennt fünf übertragbare Modelle, die er “Power Couples” nennt: integrierte Industriepartnerschaften, die Nachfrage, CO2-arme Erzeugung, Infrastruktur und Flexibilität gemeinsam optimieren. In einem solchen Modell sichert eine Last langfristig sauberen Strom, eine andere verschiebt die Nachfrage bei Preisspitzen, eine dritte sorgt für schnelle Regelleistung — alle Beteiligten teilen sich Infrastruktur, Risiko und Systemwert. Sie funktionieren über kommerzielle Strukturen wie langfristige Stromabnahmeverträge, Wärme oder Energie als Dienstleistung, Abnahme von Abwärme, Flexibilitätserlöse und gemischte öffentlich-private Finanzierung.

Zur Erarbeitung der Modelle band der Energiesektor die Industrie aus drei Segmenten ein: Nieder- und Mitteltemperaturwärme, energieintensive Industrien und Rechenzentren. Der Bericht stellt eine bessere Abstimmung zwischen Marktdesign, Netzen und Investitionsrahmen als Schlüssel für eine Elektrifizierung im großen Maßstab heraus.

“Fragmentierte Entscheidungen in koordinierte Umsetzung auf Systemebene zu überführen, ist der Schlüssel zur Lösung der gesamten Elektrifizierungsaufgabe”, sagte Eurelectric-Präsident und Fortum-Chef Markus Rauramo und verwies auf den Bedarf an Investitionssicherheit, schnellerem Netzausbau und integrierten Umsetzungsmodellen. Eurelectric-Vizepräsidentin und ENGIE-Chefin Catherine MacGregor erklärte, eine frühe Verknüpfung von Marktdesign, Infrastruktur und Investitionsrahmen mache Elektrifizierung nicht nur machbar, sondern auch wirtschaftlich überzeugend.

Für die Ostsee-Anrainer, die ihre Industrie elektrifizieren und Windkapazität aufbauen, lautet die Botschaft: Turbinen und Netze liefern am meisten, wenn Nachfrage, Angebot und Infrastruktur gemeinsam und nicht isoliert geplant werden.