Die Europäische Kommission hat am 4. November 2026 ihr Arbeitsprogramm für 2027 angenommen, das die wichtigsten legislativen und nicht legislativen Initiativen des kommenden Jahres festlegt. Zusammen mit dem Programm wurde der Jahresbericht 2026 zu Vereinfachung, Umsetzung und Durchsetzung veröffentlicht. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte, das Programm solle Europa für die kommenden Herausforderungen rüsten, von der Vertiefung des Binnenmarkts bis zum Ausbau globaler Partnerschaften.

In den Bereichen Energie und Wettbewerbsfähigkeit kündigt die Kommission koordinierte Maßnahmen gegen hohe Energiepreise und den weiteren Abbau von Binnenmarkthindernissen an. Geplant sind eine Europäische Gesellschaft für kritische Rohstoffe, Vorschläge zur Vollendung der Spar- und Investitionsunion sowie ein Paket zur digitalen Transformation. Das Programm verweist zudem auf einen Rahmen für die Zeit nach 2030, der Vereinfachung bringen und zugleich die Dekarbonisierungsziele erfüllen soll, sowie auf die Überprüfung der CO2-Normen für schwere Nutzfahrzeuge, um den Abschied von fossilen Brennstoffen voranzubringen.

Bei Verteidigung und Sicherheit will die Kommission weiter in die Verteidigung investieren und die Ukraine unterstützen, unter anderem über den Verteidigungsindustriepakt zwischen der EU und der Ukraine. Zu den neuen Instrumenten zählen ein Europäisches Instrument für strategische Wegbereiter und ein Europäisches Sicherheitsnotfallprotokoll, das eine schnellere Reaktion der EU auf Sicherheitsbedrohungen ermöglichen soll. Außerdem plant die Kommission einen europäischen Notfallrahmen zum Schutz der Außengrenze. Im außenpolitischen Teil nennt sie die Freiheit der Schifffahrt und die maritime Sicherheit in der Straße von Hormus und der Meerenge Bab al-Mandab.

Der Jahresbericht zeigt das Tempo der Rechtsdurchsetzung: Die Kommission leitete 874 Vertragsverletzungsverfahren ein, so viele wie seit zehn Jahren nicht, verwies 61 Fälle an den Gerichtshof und beantragte in 25 Fällen finanzielle Sanktionen. 499 Verfahren schloss sie ab, nachdem die Mitgliedstaaten das EU-Recht eingehalten hatten. Seit Beginn ihrer Amtszeit hat die Kommission 12 Omnibus-Pakete vorgeschlagen, die nach ihren Angaben jährlich mehr als 22 Milliarden Euro einsparen könnten, fast 60 % des Ziels der Amtszeit. Mit den Mitgliedstaaten arbeitet sie zudem an einem Pakt gegen Gold-Plating und kündigt für 2027 schnellere Genehmigungsverfahren an.

Die Kommission forderte die Mitgesetzgeber auf, bis Jahresende eine politische Einigung über den Mehrjährigen Finanzrahmen 2028–2034 zu erzielen, damit die Umsetzung am 1. Januar 2028 beginnen kann. Einzelheiten zu den Vorschlägen enthalten das Arbeitsprogramm und seine Anhänge, die die Kommission auf ihrer Website veröffentlicht hat.