Die Europäische Investitionsbank (EIB) hat mit der staatlichen Hafenbehörde von Klaipėda ein Darlehen über 100 Millionen Euro unterzeichnet. Damit soll Litauens größter Hafen für die militärische und zivile Doppelnutzung ausgebaut, mit Landstrom- und Wasserstoffanlagen ausgestattet und mit neuen Kaianlagen für die Offshore-Windenergie versehen werden. Die Vereinbarung wurde am 15. September 2026 unterzeichnet; das gesamte Programm soll bis Ende 2027 abgeschlossen sein.

Der EIB-Kredit deckt bis zur Hälfte der Gesamtkosten von rund 201 Millionen Euro ab; der Rest kommt von der Europäischen Union, aus nationalen Quellen und von weiteren Institutionen. Die Nordische Investitionsbank hatte bereits Anfang des Jahres eigene Mittel für die Modernisierung des Hafens angekündigt.

Im Mittelpunkt steht die Verteidigungskomponente. Teile des zivilen Kreuzfahrtterminals in Klaipėda werden an NATO-Anforderungen angepasst, damit verbündete Marineschiffe effizienter versorgt werden können. Die Doppelnutzung hält das Terminal für den Passagierverkehr offen und verbessert zugleich die militärische Mobilität an der Ostflanke des Bündnisses. Klaipėda ist Litauens einziger Seehafen und Teil des TEN-V-Kernnetzes der EU.

Die Energiekomponente ist breiter angelegt. Das Programm umfasst Landstromversorgung für Fähren, eine Anlage zur Erzeugung und Betankung mit grünem Wasserstoff, emissionsarme Hafenfahrzeuge, Baggerarbeiten und verstärkte Wellenbrecher für einen besseren nautischen Zugang sowie umgebaute Kaianlagen, die Klaipėda zu einer Logistikbasis für Errichtung und Wartung von Offshore-Windparks machen sollen. Litauen bereitet seine ersten Offshore-Projekte in der Ostsee vor; ein Schwerlastkai in der Nähe der Standorte ist Voraussetzung dafür, sie aus dem eigenen Land statt aus polnischen oder dänischen Häfen zu bauen und zu warten.

„Nur wenige Projekte verdeutlichen Europas Prioritäten so klar wie der Hafen von Klaipėda“, sagte EIB-Vizepräsident Karl Nehammer. „Diese Investition trägt unmittelbar zur Unterstützung der europäischen Sicherheit und des Zusammenhalts bei und steht zugleich im Einklang mit dem grünen Wandel.“

Algis Latakas, Generaldirektor der Hafenbehörde von Klaipėda, sagte, der Hafen „stützt die Wirtschaft des Landes, die Energiesicherheit und die nationale Sicherheit“, und nannte die Finanzierungsvereinbarung „einen wichtigen Schritt nach vorn für die Entwicklung des Hafens“. Er verwies auf das Doppelnutzungs-Kreuzfahrtterminal und die Landstromanlagen als Beispiele für die finanzierten Vorhaben.

Nach Angaben der Hafenbehörde zählt Klaipėda jährlich rund 6.000 Schiffsanläufe, etwa 40 Millionen Tonnen Fracht und bis zu einer halben Million Fähr- und Kreuzfahrtpassagiere. Zuletzt hatte die EIB den Hafen 2022 mit 65 Millionen Euro für den grünen Seeverkehr unterstützt. Sicherheit und Verteidigung gehören seit 2025 zu den acht Kernprioritäten der Bank; das Darlehen für Klaipėda ist eines der ersten Ostsee-Hafenprojekte, das ausdrücklich auf dieser Grundlage und zugleich mit Zielen der Energiewende finanziert wird.