Frankreich und Deutschland haben deutlich überzeichnete Onshore-Wind-Auktionen abgehalten und gemeinsam mehr als 3 GW neue Kapazität zu sinkenden Preisen vergeben. Der Branchenverband WindEurope wertete die Ergebnisse als Zeichen starken Wettbewerbs, warnte aber, dass die begrenzte Planbarkeit künftiger Auktionen Entwickler zu einem übereilten Markteintritt zwinge.
Onshore-Wind bleibt der Großteil der neuen Windkapazität in Europa. Im vergangenen Jahr entfiel darauf 94% der Installationen, bis 2030 sollen es fast 80% des Zubaus sein. Frankreichs jüngste Runde vergab 0,8 GW bei 2,4 GW an Geboten, der durchschnittliche Zuschlagspreis sank auf 77 €/MWh und lag damit rund 10 €/MWh unter den letzten Runden. Repowering-Projekte machten 66% der Zuschläge aus, begünstigt durch die jüngste Vereinfachung der Genehmigung bestimmter Repowering-Vorhaben in Frankreich.
WindEurope betonte, die hohe Zahl der Gebote spiegele Frankreichs geringe Onshore-Ambitionen und die fehlende Planbarkeit für Auktionen nach 2026 wider, was viele Projekte – darunter einige ohne vollständige Genehmigungen – zum jetzigen Gebot dränge. „Frankreich presst eine große Onshore-Pipeline in zwei kleine Auktionen und drückt so die Preise. Was sich aber wirklich zeigt, sind Entwickler, die durchs Tor drängen”, sagte WindEurope-Chefpolitiker Pierre Tardieu und forderte eine echte mehrjährige Auktionsplanung.
Deutschland vergab 2,5 GW zu durchschnittlich 51 €/MWh, das niedrigste Gebot lag bei 44 €/MWh, nachdem im Vorjahr rekordverdächtige 21 GW an Onshore-Projekten genehmigt worden waren. WindEurope wies darauf hin, dass neuer deutscher Wind weit günstiger sei als die vom Fraunhofer ISE genannten Alternativen – 139–490 €/MWh für neue Kernkraft sowie höhere Kosten für neues Gas, Steinkohle und Braunkohle. Zugleich warnte der Verband, sehr hohe Überzeichnung könne Entwickler zu riskanten, nicht realisierbaren Geboten verleiten, und rief Berlin auf, die angekündigten zusätzlichen 12 GW an Auktionen bis 2030 zu starten, um „künstliche Knappheit” zu vermeiden.
Die Auktionsdynamik hält Lehren für die Ostseeregion bereit, wo Regierungen sowohl Onshore- als auch Offshore-Wind ausbauen und planbare, mehrjährige Auktionszeitpläne zunehmend als entscheidend gelten, um Kosten niedrig zu halten und Projekte voranzubringen.








