Die Europäische Kommission hat am 17. Juli ihren Elektrifizierungs-Aktionsplan vorgestellt und darin das Ziel gesetzt, den Anteil von Strom am Energiemix der EU von heute 23% auf 46% bis 2040 zu verdoppeln. Zeitgleich veröffentlichte die Kommission eine Überarbeitung des Emissionshandelssystems (ETS). Aus Sicht der Kommission ist eine schnellere Elektrifizierung der kürzeste Weg zu niedrigeren Energiekosten, höherer industrieller Wettbewerbsfähigkeit und geringerer Abhängigkeit von schwankenden Märkten für fossile Brennstoffe.

Nach Angaben der Kommission würde das Erreichen des 2040-Ziels den Ölverbrauch der EU halbieren und den Gasverbrauch um zwei Drittel senken, was die Anfälligkeit der Gemeinschaft für geopolitisch bedingte Preisschocks verringert. Der Plan fordert die nationalen Regierungen auf, die Mehrwertsteuer auf Elektrofahrzeuge und Wärmepumpen zu senken, Subventionen für fossile Brennstoffe abzubauen und die Erneuerbare-Energien-Richtlinie vollständig umzusetzen.

Das Paket enthält einen Gesetzesvorschlag zur Neugestaltung des Stromsystems. Strom soll nicht länger höher besteuert werden als Gas, spekulative Netzanschlussanfragen, die verfügbare Kapazitäten blockieren, sollen eingedämmt und Netzentgelte an den kosteneffizienten Betrieb des Netzes gekoppelt werden.

Der Branchenverband WindEurope begrüßte das Elektrifizierungsziel, kritisierte jedoch die parallele ETS-Reform. Das ETS bringe jährlich zweistellige Milliardenbeträge ein, doch nur rund 5% der gemeldeten Einnahmen flössen in die industrielle Dekarbonisierung. Der Industrie zu erlauben, bis weit in die 2040er Jahre zu emittieren, und kostenlose Zertifikate zu verlängern, schwäche den Anreiz für Investitionen in die Elektrifizierung und bestrafe Vorreiter. WindEurope bemängelte zudem, dass die Reform die industrielle Elektrifizierung im Innovationsfonds und in der Bank für industrielle Dekarbonisierung nicht priorisiere.

„Den Stromanteil an unserem Energiemix bis 2040 zu verdoppeln, ist die richtige Entscheidung“, sagte WindEurope-Geschäftsführerin Tinne Van der Straeten. Vorrangig sei nun, dass das ETS „ein starkes CO2-Preissignal sendet und die Einnahmen auf die industrielle Elektrifizierung ausrichtet“. Der Verband verwies auf bereits verfügbare Technik, mit der sich 930 TWh industrieller Prozesswärme unter 500°C in Branchen wie Lebensmittel, Papier und Pharma elektrifizieren ließen.

Für den Ostseeraum, wo Regierungen bei der Dekarbonisierung der Stromversorgung auf Offshore-Windkraft im großen Maßstab setzen, könnten das Elektrifizierungsziel und die vorgeschlagenen Netzregeln darüber entscheiden, wie schnell neue Erneuerbaren-Kapazitäten von Industrie und Verbrauchern aufgenommen werden.