Die Europäische Kommission hat einen Katalog nationaler bewährter Praktiken veröffentlicht, der EU-Mitgliedstaaten dabei helfen soll, den Gas- und Ölverbrauch zu senken, Energiekosten zu reduzieren und die langfristige Widerstandsfähigkeit ihrer Energiesysteme zu stärken. Der Katalog wurde von EU-Kommissar für Energie und Wohnen Dan Jørgensen den EU-Energieministern beim informellen Energierat in Nikosia, Zypern, am 13. Mai 2026 vorgestellt.
Die Veröffentlichung folgt auf die AccelerateEU-Mitteilung der Kommission vom April 2026, die einen Rahmen zur Stärkung der EU-Energiewiderstandsfähigkeit im Kontext der durch den Konflikt im Nahen Osten ausgelösten Energiekrise darlegte. Der Katalog soll diesen Rahmen ergänzen, indem er den Mitgliedstaaten praktische, replizierbare Massnahmen bereitstellt, die in den Ländern, die sie anwenden, bereits Ergebnisse zeigen.
Die Massnahmen sind um drei Prioritätsbereiche gruppiert: Schutz der Verbraucher und der Industrie bei gleichzeitiger Förderung der sauberen Energiewende der EU; Unterstützung sofortiger Energieeinsparungen und der raschen Einführung sauberer und energieeffizienter Lösungen, einschliesslich der Skalierung europäischer Fertigungskapazitäten; sowie Förderung von Investitionen in Energieeffizienz, saubere Energieerzeugung und Nachfragesteuerung. Die Kommission erklärt, dass die EU bei vollständiger Umsetzung bestehender EU-Energievorschriften durch die Mitgliedstaaten den Erdgasbedarf um 10 bis 15 Milliarden Kubikmeter pro Jahr senken und den Ölverbrauch jährlich um 15 bis 20 Millionen Tonnen Rohöleinheiten reduzieren könnte.
Der Katalog ist als lebendes Dokument konzipiert und wird regelmässig aktualisiert, um weitere Massnahmen aufzunehmen, sobald diese identifiziert werden. Die Kommission betonte, dass die Beschleunigung der Umsetzung bestehender EU-Energiegesetze ebenso wichtig ist wie die Verabschiedung neuer Massnahmen – und dass die potenziellen Einsparungen erreichbar sind, ohne auf neue Regulierungsrahmen warten zu müssen.
Die Veröffentlichung ist für die Länder des Ostseeraums relevant – darunter Polen, Deutschland und die baltischen Staaten – die zu den am stärksten von Energiepreisschwankungen betroffenen Ländern gehören und aktiv an EU-weiten Diskussionen zur Energiesicherheit teilnehmen. Die breitere AccelerateEU-Initiative umfasst auch den beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien einschliesslich Offshore-Wind als strukturelle Antwort auf die Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen.
