Fünf Mitgliedstaaten der Europäischen Union – Deutschland, Polen, Estland, Lettland und Litauen – bauen ihre Onshore-Windkapazitäten in einem seit Jahren nicht gesehenen Tempo aus, angetrieben von den wirtschaftlichen Folgen der Energiekrise und dem gemeinsamen Entschluss, die Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen zu reduzieren – so eine von WindEurope veröffentlichte Analyse.

Deutschland hat 2024 mehr als 4 GW neue Windkapazität zugebaut – mehr als doppelt so viel wie jedes andere EU-Land – und soll zwischen 2025 und 2030 durchschnittlich rund 8 GW pro Jahr errichten. Wichtige Genehmigungsreformen – darunter die Einstufung von Windprojekten als Vorhaben von überragendem öffentlichem Interesse – ermöglichten es Deutschland, 2024 für 15 GW neuer Onshore-Windenergie Genehmigungen zu erteilen, siebenmal mehr als vor fünf Jahren. Die neue Bundesregierung hat zudem 500 Milliarden Euro für Infrastrukturausgaben bereitgestellt, davon 100 Milliarden Euro für einen Klimafonds zur Elektrifizierung von Industrie und Verkehr.

In Polen hat die Regierung einen Gesetzentwurf vorgelegt, der den Mindestabstand von Onshore-Turbinen zur Bebauung von derzeit 1,5 km auf 500 Meter reduzieren soll, was die bebaubare Fläche erheblich ausweiten würde. Das Gesetz soll auch die Genehmigungsverfahren beschleunigen, insbesondere für Repowering-Projekte. Polen hat in diesem Jahr auch die beiden Offshore-Umspannstationen für den 1,2-GW-Windpark Baltic Power fertiggestellt – sein erstes kommerziell genutztes Offshore-Projekt.

Die baltischen Staaten haben vergleichbare Fortschritte erzielt. Der Windanteil an ihrem gemeinsamen Strommix ist in nur drei Jahren von 15 auf 28 Prozent gestiegen, und WindEurope prognostiziert für die Region bis 2030 eine kombinierte Windkapazität von 10,5 GW, gegenüber heute 2,5 GW. Estland hat seine verfügbare Windenergieentwicklungsfläche von 10 Prozent des nationalen Territoriums auf über 60 Prozent ausgeweitet. Lettland hat Umweltgenehmigungen beschleunigt und plant Projekte in staatlichen Wäldern. Litauen prüft Möglichkeiten, neue Windparks mit der industriellen Elektrifizierung zu verknüpfen. Entwickler Vindr kündigte jüngst Investitionen von bis zu 600 Millionen Euro in neue Onshore-Kapazitäten allein in Lettland an.

WindEurope weist darauf hin, dass alle fünf Länder die Folgen des Zusammenbruchs von Nord Stream 2 und Russlands Einsatz von Energie als geopolitisches Instrument stark zu spüren bekommen haben. Europas bestehende Windflotte vermeidet bereits jetzt Importe von 100 Milliarden Kubikmetern fossiler Brennstoffe jährlich; diese Zahl soll sich bis 2030 auf 200 Mrd. Kubikmeter verdoppeln, wenn die aktuellen Ziele erreicht werden.