Die deutschen Onshore-Windauktionen folgen in diesem Jahr einem klaren Muster: Weit mehr Projekte drängen in den Markt, als Kapazität vergeben werden kann. In der Februar-Runde gingen bei der Bundesnetzagentur 924 Gebote über 7.858 MW ein — bei einem Ausschreibungsvolumen von 3.445 MW und damit mehr als zweifach überzeichnet. Nach Jahren schmerzhafter Unterzeichnung hat sich der Engpass von den Genehmigungen zu den Auktionsdeckeln verschoben, und der Wettbewerb verändert, wer wo baut.

Zu den klarsten Gewinnern des Zyklus zählt Qualitas Energy. Die in Madrid und Berlin ansässige Plattform sicherte sich 126 MW in drei Projekten mit 18 Anlagen in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg — genug, um nach Fertigstellung rund 84.000 Haushalte zu versorgen. Bemerkenswert ist das regional ausgewogene Portfolio trotz der üblichen Dominanz windstarker Standorte im Norden. Das Unternehmen hält inzwischen mehr als 100 Windprojekte und eine 3-GW-Pipeline in später Entwicklungsphase in Deutschland und will bis 2029 mehr als 10 Milliarden Euro in Erneuerbare investieren, getragen vom 3,25 Milliarden Euro schweren Fonds VI.

Der Sekundärmarkt ist ebenso aktiv wie die Auktionen. Der Entwickler UKA verkaufte seinen 80-MW-Windpark Vietlübbe in Mecklenburg-Vorpommern — 14 Anlagen der neuesten Generation, die Ende 2025 den Vollbetrieb erreichten — die dritte Veräußerung des Jahres nach den Projekten Görzig und Niederasphe. Zusammen decken diese Verkäufe rechnerisch mehr als 100.000 Haushalte. UKA hat 1,6 GW im Bau und eine Ausschreibung für sechs weitere baureife Projekte mit rund 326 MW gestartet.

Nicht jede Schlagzeile handelt von Wachstum. Alterric, einer der größeren deutschen Onshore-IPP mit mehr als 2.500 MW installierter Leistung und einer Pipeline von 11.000 MW, trennte sich in der Wachstumsphase über strategische Differenzen von seinem Finanzvorstand — ein Hinweis darauf, dass das Skalieren eines IPP in diesem Boom auch Governance-Spannungen mit sich bringt.

Für den Ostseeraum ergibt sich eine doppelte Lesart. Mecklenburg-Vorpommern, ein Ostsee-Anrainerland, liegt mitten im deutschen Ausbau, und mehrere der aktivsten Entwickler — darunter Qualitas Energy — behandeln Polen als Kernmarkt neben Deutschland. Der Kontrast ist lehrreich: Deutschland rationiert nun stark überzeichnete Auktionen, während Polens Onshore-Sektor noch daran arbeitet, Abstandsregeln zu lockern und eine eigene Pipeline freizusetzen. Die nächsten deutschen Runden werden zeigen, ob Berlin die Auktionsvolumina an die durch die Genehmigungsreformen entfesselte Nachfrage anpasst — und wie viel dieses Entwicklerappetits nach Osten über die Ostsee schwappt.