Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel haben eine Serie von Forschungsexpeditionen in der Ostsee an Bord der Malizia Explorer begonnen — eines für Forschungszwecke umgebauten Segelschiffs, betrieben vom Team Malizia des Profiseglers Boris Herrmann. Die erste von drei Etappen legte am 9. Juli in Kiel ab; die Kampagne läuft bis zum 24. Juli.
Die erste und dritte Etappe widmen sich den Seegraswiesen vor der Küste Süddänemarks und in der Mecklenburger Bucht. Die Forschenden erfassen Zustand und Ausdehnung der Wiesen und entnehmen Sedimentkerne, um deren Potenzial als natürliche Kohlenstoffsenken zu bestimmen — im Rahmen der Projekte ZOBLUC und SeaStore II. “Um festzustellen, wie viel Kohlenstoff im Sediment unter der Seegraswiese enthalten ist, entnehmen wir Sedimentkerne”, sagte Jana Silva Willim, Doktorandin am GEOMAR und verantwortlich für die Seegras-Etappe. Auch genetische Proben sollen Aufschluss über den Zustand der Wiesen geben.
Die zweite Etappe führt entlang der schleswig-holsteinischen Küste bis zum Kleinen Belt vor Dänemark und konzentriert sich auf Phytoplankton — die Grundlage mariner Nahrungsnetze und für einen großen Teil der CO2-Aufnahme durch Photosynthese verantwortlich. Das Team unter Leitung von Prof. Anja Engel, Leiterin des Forschungsbereichs Marine Biogeochemie am GEOMAR, untersucht, wie Artenzusammensetzung und Aktivität der Mikroalgen als Indikatoren für den Zustand der Ostsee dienen können; KI-Methoden helfen bei der Auswertung der großen Datenmengen. Die Arbeiten fließen in die Projekte RECOVER und KIMMCO ein.
Die Ostsee steht unter Druck durch Eutrophierung, Erwärmung, Algenblüten und wachsende sauerstoffarme Zonen; in einigen Regionen steigt die Wassertemperatur um 0,6 Grad Celsius pro Jahrzehnt. Die Expeditionen sollen die Bewertung des ökologischen Zustands verbessern und Schutz- sowie Renaturierungsmaßnahmen unterstützen.
Die seit April 2025 im Einsatz befindliche Malizia Explorer bietet Platz für bis zu 14 Personen, darunter eine Segelcrew und bis zu acht Forschende. Ihr geringer Tiefgang erlaubt küstennahe Arbeiten; die Sensoren des Schiffs sammelten zuvor Ozeandaten bei Offshore-Regatten.








