Stillstrom by Maersk hat ein vollautomatisches Kabelhandling beim Laden von Offshore-Schiffen demonstriert und damit eine der praktischen Hürden für den Einsatz hybrider und elektrischer Versorgungsschiffe auf dynamischer Positionierung in Windparks adressiert.

Ein Schiff an eine Offshore-Stromquelle anzuschließen, während es auf DP Position hält, bedeutet, ein ständig bewegtes Kabel zu beherrschen. Das erforderte bislang manuelle Überwachung — mit entsprechenden Kosten und Risiken. Bei einem Test des Stillstrom Offshore eCharger, den DNV im Rahmen seiner Technologiequalifizierung begleitete, führte das Kabelsteuerungssystem den Vorgang automatisch aus, vom ersten Anschluss bis zur Rückkehr des Schiffs in Position.

Der Versuch entstand gemeinsam mit dem Offshore-Wind-Reeder ESVAGT und Semco Maritime, einem langjährigen Entwicklungspartner, der den Test auf seiner Werft in Esbjerg (Dänemark) aufbaute. Der Ladestecker wurde aus 15,5 Metern Höhe abgesetzt — repräsentativ für die Höhe an Turbine oder Umspannwerk, an der ein Stillstrom-System im Feld montiert würde. Eine Kabeltrommel am Turm fasste 125 Meter Kabel, das bei zunehmender Distanz nachgegeben und bei Rückkehr wieder eingeholt wurde, bei konstantem Kabelprofil.

Geprüft wurden fünf Elemente: die Leistung des Steuerungssystems beim automatischen Kabelhandling, RTK-GPS als Positionsreferenz, die synchronisierte Liniengeschwindigkeit zwischen Turmtrommel und elektrischer Einholwinde an Bord, Benutzeroberfläche und Protokollierung sowie das Verhalten unter realistischen Werftbedingungen.

„Die Kabelsteuerung gehört zu den anspruchsvolleren Teilen des Offshore-Ladens, und dieser erfolgreiche Test hat gezeigt, dass unser System sie bei bewegtem Schiff sicher und automatisch bewältigt — und weit über die geplante Reichweite hinaus zuverlässig kommuniziert”, sagte Stillstrom-CEO Kristian Borum Jørgensen.

Das 2019 als Maersk-Innovationsprojekt gestartete und 2022 verselbstständigte Unternehmen beschäftigt über 30 Mitarbeitende in Kopenhagen und Aberdeen. Vorausgegangen waren Werft- und Hafentests 2024 sowie ein Trockentest im Februar 2026. Als Nächstes folgt ein stärker integrierter Test mit einem SOV und dem Gesamtsystem, danach eine Seeerprobung zur Endzertifizierung, die zugleich der erste Feldeinsatz sein könnte. Für Ostsee-Betreiber mit immer längeren Anfahrten zu entfernteren Standorten ist das Laden im Windpark einer der wenigen Wege, hybride SOV über einen relevanten Teil des Arbeitstags im Batteriebetrieb zu halten.