Das finnische staatliche Forst- und Liegenschaftsunternehmen Metsähallitus hat Ergebnisse einer GPS-Studie zur Heringsmöwe der Ostsee-Population veröffentlicht, die in die Planung seines Offshore-Windprojekts Ebba an der Westküste des Landes einfließen sollen. Die vom Unternehmen beauftragten ökologischen Untersuchungen kartieren die Nahrungsgebiete, Flughöhen und Bewegungskorridore des Seevogels.

Die Heringsmöwe gilt auf der Roten Liste der IUCN als global gefährdet; der Weltbestand wird auf weniger als 20.000 Brutpaare geschätzt. Rund 75 % davon brüten zwischen Schweden und Finnland und ziehen nach der Brutzeit in ihre Überwinterungsgebiete am Victoriasee in Ostafrika. Die Art ist ein Schutzgut des Natura-2000-Gebiets im Schärengebiet von Raahe, wo das Projekt liegt.

2025 statteten Forschende zwölf ausgewachsene Vögel mit leichten, solarbetriebenen Sendern aus — sechs Brutvögel auf den Inseln Maakalla und Ulkokalla sowie sechs nördlich von Raahe. Die Geräte erfassen Standort, Flughöhe und Geschwindigkeit alle fünf Minuten. „Es ist eine stark pelagische Art, die regelmäßig bis zu 100 km vom Nest entfernt frisst und an den meisten Tagen sehr weite Strecken fliegt”, sagt der Ornithologe Martin Hedén, der das Monitoring leitet. Alle besenderten Vögel überlebten den Zug nach Ostafrika und zurück; Daten aus der zweiten Saison liegen nun vor.

Das Monitoring erfolgt gemeinsam mit dem Entwickler des benachbarten Projekts Maanahkiainen. Beide tauschen Forschungsdaten aus und teilen die Untersuchungsgebiete auf, um doppelte Feldarbeit zu vermeiden und die menschliche Präsenz in der Möwenkolonie zu verringern. Durchgeführt werden die Studien vom Beratungsunternehmen Sitowise im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung des Projekts.

Das Wissen darüber, wo die Vögel fressen und in welcher Höhe sie fliegen, soll Metsähallitus helfen, die Turbinen abseits der am stärksten genutzten Korridore zu platzieren. Die Auswertung der Brutsaison 2026 folgt später. Für den gesamten Ostseeraum, in dem mehrere Staaten die Offshore-Windkraft in gemeinsamen, ökologisch sensiblen Gewässern ausbauen, liefert der Datensatz ein praktisches Beispiel dafür, wie sich Ziele der erneuerbaren Energien und der Schutz von Seevögeln abwägen lassen.