Das eigentliche Problem hinter der Energie-Desinformation seien jahrzehntelang vernachlaessigte staatsbuergerliche und Medienbildung — und Widerstandsfaehigkeit lasse sich aufbauen, argumentierte die Desinformationsexpertin Katarzyna Bakowicz bei einer Warschauer Debatte und verwies auf Finnland als Beleg.
Bakowicz berichtete, sie sei zehn Tage zuvor von einer Konferenz in Finnland zurueckgekehrt, etwa 30 Kilometer von der russischen Grenze entfernt. Auf die Frage, wie die Finnen mit russischer Desinformation umgingen, haetten ihre Gastgeber geantwortet, sie muessten es gar nicht — sie ‘wuessten es einfach besser’. Diese Resilienz sei nicht durch grosse EU-Programme entstanden, sondern durch elementare, konsequente staatsbuergerliche und Medienbildung ueber viele Jahre.
Ihre zentrale These war bewusst provokant: Desinformation sei nicht das Problem, sondern die Folge von Problemen, die 30 Jahre lang unter den Teppich gekehrt worden seien. Sie verwies auf einen grundlegenden Verlust an staatsbuergerlichem Wissen — Studierende, die nicht sagen konnten, woraus sich ihre Stromrechnung zusammensetzt, Buerger, die nicht sehen, wohin ihre Steuern fliessen oder woher der Strom aus der Steckdose kommt. Medienbildung in Schulen bringe wenig, wenn Kinder zu Hause das Gegenteil hoerten; sie muesse mit breiterer staatsbuergerlicher Bildung einhergehen.
Bakowicz uebte ebenso Kritik an der Wissenschaft. Desinformation gebe es auch in der Forschung — sie nannte historische Faelle bezahlter Forscher — und Akademiker spraechen oft eine hermetische, ausschliessende Sprache. Ein Wissenschaftler, der sich an die Oeffentlichkeit wende, muesse einfach sprechen, statt der Kluegste im Raum scheinen zu wollen. Die Erosion der Autoritaet sei teils selbst verschuldet.
Andere Redner waren vorsichtiger. Der Public-Health-Forscher Filip Raciborski meinte, die Gesellschaft sei ‘vom Informationszeitalter ins Desinformationszeitalter’ uebergegangen, verwies auf das Weltwirtschaftsforum, das Desinformation als zweitgroesstes kurzfristiges Risiko einstuft, und warnte, es gebe keine perfekte Loesung. Der praktische Rat des staatlichen Instituts NASK war konkret: nicht teilen, wenn man unsicher ist, die Quelle pruefen und Desinformation melden. Wie ein zitierter Satz es fasste: Die Antwort auf eine Trollfabrik sei eine Elfenfabrik — und jeder koenne ein Elf sein.







