Im Juli 2026 deckten erneuerbare Energien beinahe die Hälfte des Stromverbrauchs in der Europäischen Union, wobei die Solarerzeugung nahezu auf Höhe der Kernkraftwerke lag.

Der Wert ist teils saisonal — der Juli begünstigt Photovoltaik, auch 2026 —, der zugrunde liegende Trend ist jedoch struktureller Natur. Europaweit erzeugte allein Wind vom 1. Januar bis 20. August 2026 285,36 Milliarden kWh nach 264,52 Milliarden kWh im Vorjahreszeitraum. Die europäische Photovoltaik kam auf 234,69 Milliarden kWh gegenüber 202,05 Milliarden kWh.

Der Vergleich mit der Kernkraft ist in diesem Jahr besonders zugespitzt. Europas Reaktoren litten unter Hitze und niedrigen Flusspegeln; Rumänien lief wegen Kühlbeschränkungen erstmals seit 2003 ohne Kernkraft. Dass Solar in einem Monat mit der Kernkraft gleichzieht, sagt daher ebenso viel über die Verfügbarkeit thermischer Kraftwerke unter Klimastress wie über den Zubau von Modulen.

Für Systembetreiber zählt die Gegenfrage. Ein Netz, das im sonnigen Juli nahe 50 Prozent Erneuerbaren fährt, muss auch im windstillen, bedeckten Februar laufen — genau dieses Argument treibt derzeit Europas Debatten über Kapazitätsmärkte und Speicher.

Quelle: IWR Energieletter 33 und 34/2026.