Das Horizon-Europe-Forschungsprojekt MERIDIONAL, das vier Jahre lang die Physik des Windes und ihre Wirkung auf Onshore-, Offshore- und Flugwindenergiesysteme untersucht hat, endet mit einer kommerziellen Ausgründung. Ventoplani, ein italienisches Start-up von Forschern des Politecnico di Milano, bringt kleine Flugwindenergieanlagen, sogenannte Windplanes, für Haushalte, Unternehmen und netzferne Standorte auf den Markt.
Bei den Geräten handelt es sich um Starrflügel-Flugwindenergiesysteme, die mit kleinen Turbinen an Bord Strom erzeugen. Sie sind leicht, vollständig autonom und wie Drachen am Boden verankert. Da sie fliegen statt auf einem Turm zu stehen, erreichen sie die stärkeren und gleichmäßigeren Winde in größerer Höhe und benötigen nach Unternehmensangaben weniger als ein Zehntel des Materials einer konventionellen Anlage vergleichbarer Leistung: kein Turm, kein Fundament und keine großen Rotorblätter, die gefertigt und transportiert werden müssen.
Ventoplani versteht Windplanes als Ergänzung zu konventionellen Windenergieanlagen, für Standorte und Größenordnungen, in denen eine feste Anlage unpraktisch ist. Ihr Tagesertrag ergänze sich mit der Solarerzeugung und verringere den Batteriespeicher, den ein Hybridsystem sonst benötige, so das Unternehmen. Die faltbare Struktur, in einigen Konfigurationen per autonomem Flug ausbringbar, soll einen schnellen Aufbau etwa in der Katastrophenhilfe oder an anderen temporären Standorten ermöglichen. Ausgehend von Einzelanwendern will das Unternehmen das Konzept nach eigenen Angaben bis zu Offshore-Anwendungen im Versorgungsmaßstab skalieren.
Innerhalb von MERIDIONAL arbeitete das Politecnico di Milano an Auslegung und Regelung von Flugwindenergiesystemen und meldete zwei Patente auf Schlüsseltechnologien des Windplane-Konzepts an. Ventoplani wurde von Filippo Trevisi, Lorenzo Fagiano und Leonardo Cecchin gegründet, allesamt Forscher am SAS-Lab der Hochschule, und baut auf mehr als einem Jahrzehnt akademischer Arbeit zur Flugwindenergie auf.
„Grüne Energie wird für alle immer zugänglicher, und wir freuen uns, dem europäischen Markt neue Lösungen bekannt zu machen“, sagte Federica Fusco, Kommunikationsbeauftragte der Fondazione ICONS, einem Projektpartner.
MERIDIONAL wird aus dem EU-Forschungs- und Innovationsprogramm Horizon mit rund 6 Millionen Euro gefördert und läuft von November 2022 bis September 2026 unter der Koordination von Prof. Simon J. Watson von der TU Delft. Flugwindenergie bleibt eine Nischentechnologie ohne kommerzielle Anlagen im Versorgungsmaßstab; die Ausgründung zeigt, wie EU-geförderte Grundlagenforschung über die Projektlaufzeit hinaus zu Marktanwendungen führen kann.







