Zwei von drei Polen (67 %) halten eine Energiewende in ihrem Land für dringend notwendig, und 81 % erwarten davon eine geringere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen, einschließlich importierten Erdöls und Erdgases. Das geht aus der achten Ausgabe der Klimaumfrage der Europäischen Investitionsbank (EIB) hervor, die am 5. November 2026 veröffentlicht wurde.

Die Umfrage führte Ipsos BVA vom 3. bis 25. August 2026 unter 23.000 Personen ab 16 Jahren in allen 27 EU-Mitgliedstaaten durch, darunter 1.000 Befragte in Polen. In Polen erwarten 79 % stabilere oder niedrigere Energiepreise und 74 % eine Verlangsamung des Klimawandels; EU-weit liegen die Werte bei 79 % und 76 %. Stabilere oder niedrigere Preise gelten in Polen und sieben weiteren Mitgliedstaaten als wichtigster erwarteter Vorteil, die geringere Importabhängigkeit in 16 Staaten und der Klimaschutz in dreien.

Die Polen spürten die höheren Energiepreise weniger stark als die Menschen in den meisten anderen EU-Staaten. Einen deutlichen Kaufkraftverlust in den vergangenen zwölf Monaten gaben 39 % der Befragten in Polen an, im EU-Durchschnitt waren es 60 %. In Polen sparten 31 % bei Lebensmitteln oder Gesundheit, 19 % heizten weniger, und 14 % verschuldeten sich, baten um finanzielle Hilfe oder zahlten eine Energierechnung verspätet. Die Hälfte der Polen (50 %) änderte wegen der höheren Preise ihre Autonutzung.

In der Technologiepolitik sprechen sich 82 % der Polen dafür aus, kohlenstoffarme Energie vorrangig zu behandeln (EU: 87 %). 53 % würden lieber eine wettbewerbsfähige europäische Cleantech-Industrie aufbauen, auch wenn das länger dauert; 28 % bevorzugen einen schnelleren Ausbau mit importierter Technik. Von den Polen, die Photovoltaikanlagen installiert haben, nannten 60 % Zuschüsse, Steuervorteile oder zinsgünstige Kredite als ausschlaggebend – einer der höchsten Werte in der EU, wo der Durchschnitt bei 41 % liegt. Vorrang für Solarenergie wünschen sich 38 %, für Windenergie 35 % (EU: 52 % und 37 %). 72 % wollen, dass Polen enger mit anderen EU-Staaten zusammenarbeitet, und 62 % unterstützen die Bündelung von EU-Mitteln zur Finanzierung der Energiewende.

Marko Primorac, EIB-Vizepräsident und zuständig für die Geschäftstätigkeit der Bank in Polen, sagte, polnische Familien und Unternehmen wünschten sich eine Energiewende, die steigende Rechnungen begrenzt und die Sicherheit durch mehr europäische Energieautonomie verbessert. Die EIB-Gruppe gibt an, im vergangenen Jahr mit 5,5 Milliarden Euro einen Rekordbetrag für Energieprojekte in Polen bereitgestellt zu haben, darunter 2 Milliarden Euro für Offshore-Windparks in der Ostsee; zudem prüft sie die Finanzierung des ersten polnischen Kernkraftwerks. Die Autoren der Umfrage weisen darauf hin, dass die Frage nach den erwarteten Vorteilen 2022 und 2026 unterschiedlich formuliert war; die Ergebnisse sind daher nach Rangfolge, nicht aber nach Prozentwerten vergleichbar.