ABB hat von Guangzhou Shipyard International den Auftrag für ein integriertes Energie- und Antriebspaket für die Grand Tour erhalten — ein 230 Meter langes halbtauchfähiges Schwergutschiff, das der Offshore-Kontraktor Allseas bestellt hat und das 2028 abgeliefert werden soll.
Das Schiff ist für eine eng umrissene, aber zunehmend kritische Aufgabe im Offshore-Wind gebaut: sehr große Konverterplattformen von Fertigungsstätten in Asien und Europa zu transportieren und direkt an das Bauschiff Pioneering Spirit von Allseas zu übergeben. Konverterstationen bilden das Herzstück der Fernübertragung, indem sie Wechselstrom aus den Turbinen in Gleichstrom für den Kabeltransport an Land umwandeln.
Die Grand Tour wird Lasten von bis zu 40.000 Tonnen auf dem Achterdeck aufnehmen, sich anschließend längsseits der Pioneering Spirit positionieren und ihr Hauptdeck unter die Wasserlinie absenken, sodass Konverterplattformen direkt an Bord schwimmen können. Diese Abfolge stellt außergewöhnliche Anforderungen an Pfahlzug, Manövrierfähigkeit und Positionshaltung.
Der ABB-Lieferumfang umfasst vier düsenummantelte Azipod-Einheiten mit je 3,5 MW, die sich um 360 Grad drehen und mit optimierten Düsen für hohe Effizienz auf Transitfahrt ausgestattet sind. Die getriebelose Bauweise senkt mechanische Verluste, Kraftstoffverbrauch, Lärm und Vibrationen gegenüber konventionellen Ruderpropellern und reduziert Schmier- und Wartungsbedarf. Hinzu kommen eine Mittelspannungs-Wechselstromanlage in geschlossener Ringtopologie, das Energiemanagementsystem PEMS, ein erweitertes Kraftwerksschutzsystem und Fernzustandsüberwachung.
„Es ist großartig zu sehen, wie unsere Energie- und Antriebstechnik in anspruchsvollen Schwerlastoperationen so deutlichen Nutzen stiftet”, sagte Rune Braastad, Präsident der ABB-Division Marine & Ports. Zhou Xuhui, Präsident von Guangzhou Shipyard International, bezeichnete das Schiff als Beleg für die Fähigkeiten der Werft bei komplexen Neubauten.
Der Auftrag erinnert daran, dass der Engpass großer Offshore-Übertragungsprojekte häufig nicht die Hardware selbst ist, sondern die geringe Zahl an Schiffen, die sie bewegen können. Mit dem beschleunigten Netzausbau in Ostsee und Nordsee gegen Ende des Jahrzehnts wird die Logistik der Konverterstationen zu einem der engeren Nadelöhre der Kette.








