Bundesaußenminister Johann Wadephul hat die Ostsee als das offensichtlichste Konfrontationsfeld mit Russland bezeichnet und gewarnt, dass wiederholte Vorfälle rund um kritische Infrastruktur die Region zum Kern der kollektiven Verteidigung Europas machen. Auf der Kieler Sicherheitskonferenz sagte er, Ostsee, Schwarzes Meer und Nordatlantik unterschieden sich in ihrer Geografie, seien aber durch dieselbe Bedrohung vereint.

Wadephul verwies auf ein Muster hybriden Drucks in der Ostsee: Sabotageakte, Spionage, GPS-Störungen, Eindringen von Drohnen und Flugzeugen in den NATO-Luftraum, die Durchfahrt der russischen „Schattenflotte” sowie das wiederholte Auftauchen russischer Forschungsschiffe nahe kritischer Infrastruktur. Diese Warnungen haben unmittelbare Bedeutung für die Offshore-Energie, angesichts des dichten Netzes aus Seekabeln, Interkonnektoren und Windparks in diesem Meer. Das jährliche Marinemanöver BALTOPS unter Führung der US-amerikanischen Sechsten Flotte, das inzwischen zum 55. Mal stattfindet, führte er als Beleg dafür an, dass die transatlantische Zusammenarbeit trotz Zweifeln an ihrer Zukunft operativ intakt bleibe.

Der Minister argumentierte, die Nordostflanke der NATO habe sich vom „Stolperdraht” zu einer „transatlantischen Festung” gewandelt, gestärkt durch steigende europäische Verteidigungsbudgets auf dem Weg zum Fünf-Prozent-Ziel des Bündnisses. Schweden und Finnland, die jüngsten NATO-Mitglieder, seien stark auf die Versorgungsrouten über die Ostsee angewiesen, was das Meer zu einem strategischen Korridor für Verstärkung und Nachschub mache.

Wadephul zog zudem Lehren aus der ukrainischen Marinekampagne im Schwarzen Meer, wo Drohnen und Innovation die vermeintliche maritime Dominanz Russlands brachen, und verwies auf die erste Strategie der Europäischen Union für die Schwarzmeerregion. Für die Ostseestaaten und den Offshore-Sektor unterstrich seine Botschaft, wie eng Energieinfrastruktur, maritime Sicherheit und Geopolitik in der Region inzwischen verflochten sind.