Die Stromnetze sind in Dänemark und ganz Europa zu einem erheblichen Engpass für die grüne Wende geworden. In einigen Fällen können Wind- und Solarprojekte, die politisch bereits genehmigt wurden, erst Mitte der 2030er Jahre ans Netz gehen, weil die verfügbare Kapazität bereits für bestehende Anlagen reserviert ist. Ein neuer Ansatz – Hybridkraftwerke, die Wind, Sonne und Batteriespeicher kombinieren – könnte diesen Engpass auflösen, wie Forscher der Technischen Universität Dänemark (DTU) erklären.
Der Kerninzicht: Die konventionelle Netzreservierung geht davon aus, dass ein Windpark immer mit voller Nennleistung läuft, obwohl Windturbinen typischerweise nur 20 bis 50 Prozent der Zeit bei Vollleistung arbeiten. Ein 100-MW-Windpark belegt daher 100 MW Netzkapazität, unabhängig davon, ob diese Kapazität tatsächlich genutzt wird. Hybridkraftwerke steuern ihre kombinierte Leistung so, dass die Netzkapazität nie überschritten wird – mehr Erzeugungsanlagen können also denselben physischen Anschluss teilen. Eine Anlage mit 100 MW Wind, 80 MW Solar und 50 MW Batteriekapazität könnte an einem 100-MW-Netzanschluss rentabel betrieben werden.
Über die Energielieferung hinaus können Hybridkraftwerke Systemdienstleistungen erbringen, die Netzbetreiber zur Aufrechterhaltung der Systemstabilität benötigen – Dienste, die traditionell von konventionellen Kraftwerken bereitgestellt wurden und zunehmend knapper werden. DTU-Forscher weisen darauf hin, dass eine verbesserte Systemdienstleistung das Risiko großflächiger Ausfälle reduzieren kann: Die Iberische Halbinsel erlebte letztes Jahr einen Stromausfall, der 60 Millionen Menschen betraf, und Batterien in Hybridkraftwerken können sowohl die Wahrscheinlichkeit solcher Ereignisse verringern als auch die Wiederherstellungszeiten verkürzen.
Reale Hybridkraftwerke sind bereits in Betrieb. Der Kennedy Energy Park in Australien – das weltweit erste Hybridkraftwerk – ist seit 2024 mit 43 MW Wind, 15 MW Solar und einer 2-MW/4-MWh-Batterie in Betrieb. Dänemark erteilte 2025 Genehmigungen für mehrere Hybridkraftwerke. DTU betreibt eine kleine Pilotanlage, Risø HPP, mit 450 kW Wind, 325 kW Solar und einer 250-kW/1.155-kWh-Batterie, um kommerzielle und Forschungslösungen unter kontrollierten Bedingungen zu testen.
DTU hat eine Softwareplattform namens HyDesign entwickelt, um die optimale Mischung aus Wind-, Solar- und Batteriekapazität für Hybridkraftwerke zu modellieren und die wirtschaftliche Rendite zu maximieren. Die Forscher stellen fest, dass große Energieunternehmen bereits Interesse an der Technologie bekundet haben und dass die weitere Entwicklung von Hybridkraftwerken die Integration erneuerbarer Energie in europäische Stromnetze erheblich beschleunigen könnte – einschliesslich jener, die den Ostseeraum versorgen.
