Die Europäische Investitionsbank hat Elia Transmission Belgium eine grüne Kreditfazilität über 1 Milliarde Euro für die zweite Bauphase der Prinzessin-Elisabeth-Insel gewährt, des künstlichen Energieknotens, der rund 45 Kilometer vor der belgischen Küste entsteht. Nach Angaben von Elia ist es das größte Darlehen, das die EIB je einem einzelnen Energieinfrastrukturprojekt in den Benelux-Ländern gewährt hat.

Die Mittel decken unter anderem das 220-kV-Umspannwerk auf der Insel, die 66-kV-Schaltanlagen, die Transformatoren und die Wechselstromverbindungen zum Festland ab. Der Strom fließt über sechs dreiphasige 220-kV-Wechselstromkabel von der Insel zu einem 220-kV-Umspannwerk an Land. Eine erste Auszahlung erfolgte Ende Juli.

Der Kredit folgt auf eine grüne Fazilität über 650 Millionen Euro, die die EIB 2024 für die erste Projektphase bewilligt hatte, und kommt wenige Wochen nach dem Einbau des 23. und letzten Fundamentelements, mit dem die bauliche Errichtung der Insel abgeschlossen wurde. Elia betont, dass die Konditionen die Finanzierungskosten und damit die Belastung der belgischen Verbraucher begrenzen. Als Konstruktion ohne Vorbild wurde das Projekt zudem dem TechEU-Programm der Bank zugeordnet.

„Energiepreise sind ein großes Anliegen der Bürger und ein wesentlicher Grund für die EIB, in ein besser integriertes und widerstandsfähigeres europäisches Energiesystem zu investieren“, sagte EIB-Vizepräsident Robert de Groot. Frédéric Dunon, Vorstandschef von Elia Transmission Belgium, bezeichnete die Finanzierung als „starke Bestätigung des langfristigen Werts des Projekts“. Der belgische Klimaminister Jean-Luc Crucke stellte die Insel in den Zusammenhang mit der Energiesouveränität des Landes und der breiten Elektrifizierung.

Die Insel soll die Prinzessin-Elisabeth-Zone, Belgiens zweites Offshore-Windgebiet, anbinden und künftig eine Verbindungsleitung nach Großbritannien aufnehmen. Die Arbeiten an Struktur, Kabeln und elektrischen Anlagen laufen in den kommenden Jahren weiter; die ersten Windparks der Zone sollen ab 2031 angeschlossen werden.

Für den Ostseeraum ist das Projekt die nächstliegende praktische Referenz für das Energieinsel-Modell, das Dänemark bei Bornholm plant und das Netzbetreiber rund um die Ostsee für hybride Offshore-Knoten prüfen. Der belgische Fall zeigt sowohl den Umfang öffentlicher Finanzierung, den solche Knoten anziehen, als auch den Zeithorizont: mehr als ein Jahrzehnt vom Konzept bis zur ersten angeschlossenen Turbine.