Eine KI-gestützte Studie hat jedes Wohngebäudedach in Deutschland einzeln bewertet — über 28 Millionen Gebäude in allen 401 Landkreisen — und kommt zu dem Schluss, dass im Land rund 45 Milliarden Euro an möglichen jährlichen Stromkostenersparnissen der Haushalte ungenutzt bleiben. Der „German Rooftop Valuation Report” wurde am 23. Juni in München zum Auftakt der Intersolar Europe vorgestellt.

Trotz dieses Potenzials verfügen bislang nur 4,1 Millionen deutsche Eigenheime über eine Solaranlage. Laut der Analyse könnte ein durchschnittlicher Haushalt rund 1.620 Euro pro Jahr einsparen — bei einer Investition von 12.167 Euro, einer Amortisationszeit von etwa 8,4 Jahren und einer Rendite von 19.030 Euro über 20 Jahre. Über alle untersuchten Dächer summiert sich die geschätzte 20-Jahres-Rendite auf 533,7 Milliarden Euro. Die Berechnungen unterstellen eine Anlage mit 10,34 kWp und einem 9,6-kWh-Speicher und berücksichtigen keine staatlichen Förderungen.

Die Studie zeigt ein ausgeprägtes Nord-Süd-Gefälle. Bayern führt in allen Kennzahlen — durchschnittlich 1.696 Euro Ersparnis pro Jahr und 20.504 Euro Rendite je Haushalt über 20 Jahre; der Landkreis Kempten im Allgäu erzielt mit 21.719 Euro den höchsten Wert bundesweit. Berlin bildet das Schlusslicht mit 1.388 Euro jährlich und 14.555 Euro Rendite — fast 6.000 Euro weniger als in Bayern. Die Autoren führen den Unterschied vor allem auf die ländliche Bebauung Bayerns gegenüber der dichten Stadtbebauung Berlins zurück. Dennoch bleibt die Rendite überall positiv.

Die Ergebnisse erscheinen, während der deutsche Markt für Dachsolaranlagen an Schwung verliert. Im ersten Quartal 2026 ging die Zahl neuer Eigenheimanlagen laut dem Branchenverband BSW Solar um 21 Prozent zurück — obwohl Deutschland bis 2030 ein Solarziel von 215 GW anstrebt. Ein Entwurf des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) 2027 sieht vor, feste Einspeisevergütungen für neue Anlagen unter 25 kW abzuschaffen und die Einspeisung kleinerer Anlagen auf 50 Prozent der installierten Leistung zu begrenzen — Änderungen, die einen Batteriespeicher nahezu zur Voraussetzung für die Wirtschaftlichkeit machen würden.

Grundlage der Analyse sind Satellitenbilder, KI-gestützte 3D-Gebäuderekonstruktion und Geoinformationssysteme; mehr als 87 Prozent der Gebäude wurden als 3D-Modelle nachgebildet, um Dachneigung, Ausrichtung und Verschattung adressgenau statt per statistischer Hochrechnung zu erfassen. Erstellt wurde der Report von der Solar-Designplattform GreenSketch, die zur australischen OSW Group gehört, gemeinsam mit den Partnern GoodWe und LONGi Solar. Für Deutschland — den größten Strommarkt an der Ostsee und einen zentralen Akteur der regionalen Energiewende — unterstreichen die Daten, wie groß der ungenutzte Teil des Dachsolarpotenzials bleibt, während die regulatorische Förderung enger wird.