Schweden braucht erhebliche Investitionen in neue Erzeugung, ausgebaute Netze und mehr Flexibilität, um den Strombedarf bis 2050 zu decken. Das geht aus der „Langfristigen Marktanalyse 2026″ des schwedischen Übertragungsnetzbetreibers Svenska kraftnät hervor, der fünften Ausgabe der alle zwei Jahre erscheinenden Studie.
Der Stromverbrauch wurde gegenüber der vorherigen Analyse nach unten korrigiert, dürfte aber weiterhin deutlich steigen — getrieben vor allem durch die Elektrifizierung von Industrie, Verkehr und Digitalisierung. Der Netzbetreiber betont, dass die Unsicherheit hoch bleibt: Der Ausgang einiger weniger Großprojekte oder die Entscheidungen einer begrenzten Zahl von Akteuren könnten die Nachfrage stark verändern, besonders in Szenarien mit hohem Elektrifizierungstempo.
Um diese Nachfrage zu decken, ist ein Ausbau fossilfreier Erzeugung auf historisch hohem Niveau nötig — im Durchschnitt rund 8 TWh pro Jahr über die nächsten zwei Jahrzehnte in den stromintensivsten Szenarien. „Die Elektrifizierung erfordert einen Zubau an Erzeugung auf historisch hohem Niveau, deshalb brauchen wir alle fossilfreien Energieträger”, sagte Viktoria Neimane, Leiterin Systemstrategie bei Svenska kraftnät. Onshore-Wind und Solar seien heute die schnellsten und kosteneffizientesten Optionen, während Kernkraft und Wasserkraft langfristige Kapazität und Versorgungssicherheit lieferten.
Die Analyse erwartet, dass die Preisunterschiede innerhalb Schwedens sinken, wenn neue Nachfrage im Norden entsteht und die Übertragungskapazität zwischen Nord und Süd gestärkt wird, und dass sich der Abstand zum Kontinent verringert, sobald Schwedens derzeitiger Stromüberschuss zurückgeht. Zugleich wird das System volatiler: Ein höherer Anteil wetterabhängiger Erzeugung bedeutet größere Schwankungen der Strompreise. „Die starken Schwankungen der letzten Jahre bleiben und werden sich verstärken”, so Neimane. In einem variableren System wird Flexibilität — die Fähigkeit, Verbrauch und Erzeugung an den Systembedarf anzupassen — entscheidend für Balance und Betriebssicherheit.
Die Studie skizziert vier Szenarien entlang zweier Achsen, dem Elektrifizierungstempo und dem Anteil erneuerbarer Erzeugung; der Betreiber betont, dass es sich nicht um Prognosen handelt, sondern um einen Ausgangspunkt zur Analyse der Herausforderungen verschiedener Entwicklungswege. Für den größeren nordisch-baltischen Markt, in dem Schweden ein bedeutender Stromexporteur ist, würden der beschriebene Ausbau und die schrumpfenden Preisunterschiede die grenzüberschreitenden Flüsse für Jahre prägen.







