Europa riskiert, wachsende Mengen sauberen Stroms zu verschwenden, wenn es seine Netze nicht im Gleichschritt mit dem Erneuerbaren-Ausbau erweitert — so eine während der London Climate Action Week veröffentlichte Studie von Aurora Energy Research. Die Analyse versteht das Stromnetz als entscheidenden Wegbereiter der Dekarbonisierung, nicht als Infrastruktur im Hintergrund.
Das Engpassmanagement im europäischen Netz erreichte 2024 ein Volumen von 72 TWh; Länder wie Irland und Polen drosselten zwischen 5 % und 10 % ihrer Erneuerbaren-Erzeugung, weil das Netz sie nicht aufnehmen konnte. Aurora warnt, dass sich diese Abregelungsmengen bis 2030 in Großbritannien, Deutschland, Spanien und Italien verdoppeln könnten, falls die Lücke zwischen Erneuerbaren-Zubau und Netzausbau nicht geschlossen wird.
Die Modellierung zeigt, dass eine um 25 % höhere grenzüberschreitende Interkonnektor-Kapazität bis 2040 zusätzliche 27 TWh Solar- und Windstrom nutzbar machen würde. Das würde die Gasverstromung um rund 35 TWh oder etwa 8 % senken und 16,3 Millionen Tonnen CO2 vermeiden — so viel, als nähme man rund 3,5 Millionen Autos von der Straße.
Netzinvestitionen stärken auch die Resilienz. In einer modellierten Phase geringer Erneuerbaren-Erzeugung in Deutschland verdoppelte eine stärkere Vernetzung die Importflüsse nahezu, senkte die thermische Erzeugung um 14 % und die Emissionen um 18 %. Verzögerung dagegen ist teuer: Eine britische Fallstudie zeigt, dass die Engpasskosten bei verspätetem Netzausbau bis 2060 auf das Siebenfache des Szenarios rechtzeitiger Investitionen steigen.
Für die Ostsee, wo mehrere Länder große Offshore- und Onshore-Erneuerbare anschließen, trifft die Botschaft ins Mark. Polen drosselt schon heute einen erheblichen Teil seiner sauberen Erzeugung, und der Wert neuer Windparks hängt ebenso an den Kabeln, die ihren Strom transportieren, wie an den Turbinen selbst.







