Die Debatte über Unterwasserinfrastruktur in der Ostsee kreist meist um zwei Fragen: Wer hat etwas beschädigt, und wie hätte man es verhindern können? Eine dritte Frage entscheidet darüber, was ein Vorfall tatsächlich kostet, und sie erhält deutlich weniger Aufmerksamkeit. Wenn ein Kabel durchtrennt ist – wer hat das Schiff, das Ersatzstück und die Mannschaft, um es wiederherzustellen?
Der Schutz von Unterwasseranlagen gliedert sich in drei Ebenen: Prävention, Detektion und Reparatur. Die Ostseeanrainer haben ungleichmäßig in sie investiert, und die Reparaturebene ist die dünnste.
Das europäische Geld fließt überwiegend in Datenkabel
Das bislang gewichtigste europäische Paket besteht aus der Cable Security Toolbox der Kommission und der zugehörigen Liste der Cable Projects of European Interest, flankiert von einer Änderung des Arbeitsprogramms der Fazilität Connecting Europe im Digitalbereich, mit der 347 Millionen Euro für strategische Seekabelprojekte bereitgestellt wurden. Die Toolbox umfasst sechs strategische sowie vier technische und unterstützende Maßnahmen und baut auf einer Risikobewertung auf, die Bedrohungsszenarien, Verwundbarkeiten und Abhängigkeiten kartiert hat. Dreizehn Projektbereiche sind in drei Fünfjahresetappen bis 2040 gegliedert.
Innerhalb dieses Rahmens wird Reparatur ausdrücklich finanziert. Zwei Aufrufe im Umfang von 60 Millionen Euro fördern Reparaturmodule für Kabel, ein gesonderter Aufruf über 20 Millionen Euro betrifft Ausrüstung für SMART-Kabelsysteme, also Sensoren und Monitoringkomponenten, die in das Kabel integriert werden und Ozean- und Seismikdaten in Echtzeit liefern. Weitere 267 Millionen Euro sind auf zwei Projektaufrufe verteilt. Die Reparaturmodule sind so ausgelegt, dass sie in Häfen oder auf Schiffen stationiert werden können, damit die Reaktion nicht davon abhängt, welches Spezialschiff gerade frei ist.
Eine Unterscheidung ist wichtig und geht häufig verloren. Dieses Programm betrifft Telekommunikationsseekabel, über die der weit überwiegende Teil des interkontinentalen Internetverkehrs läuft. Stromkabel – Exportkabel von Offshore-Windparks und Interkonnektoren zwischen Märkten – sind eine andere Anlagenklasse in anderer Trägerschaft, die das europäische Geld nicht in gleicher Weise erreicht.
Bei Stromkabeln zählt, ob die Betreiber ihre Kapazitäten bündeln
Im Strombereich kam der entsprechende Anstoß von den Übertragungsnetzbetreibern selbst. Fünf Betreiber – Elia in Belgien, Energinet in Dänemark, 50Hertz in Deutschland sowie TenneT in Deutschland und den Niederlanden – haben eine Absichtserklärung zur Zusammenarbeit bei Offshore-Kabelinfrastruktur unterzeichnet, zunächst für die Nordsee und offen für weitere Mitglieder der Offshore TSO Collaboration.
Der Inhalt ist bewusst praktisch gehalten. Die Betreiber haben sich auf mindestens ein Jahr Arbeit in vier Themengruppen verständigt: Reparaturlogistik, Ersatzteile und Ausrüstung, Fehlererkennung sowie rechtlicher und finanzieller Rahmen. Dazu gehört eine gemeinsame Erfassung, welche Schiffe, Materialien und technischen Fähigkeiten in den beteiligten Ländern tatsächlich vorhanden sind – eine Frage, die keiner allein beantworten könnte und die darüber entscheidet, wie lange eine Störung einen Windpark oder einen Interkonnektor außer Betrieb setzt.
Für die Ostsee gibt es keine Vereinbarung vergleichbarer Reichweite. Der Nordseerahmen ist, sofern die Machbarkeitsphase ihn bestätigt, die wahrscheinlichste Vorlage für eine Ausweitung nach Osten.
Schutz beginnt beim Bau
Die günstigste Reparatur ist die nie erforderliche, und darüber wird Jahre zuvor auf dem Meeresboden entschieden. Das gemeinsam von Ørsted und PGE entwickelte Projekt Baltica 2 zeigt die vollständige Abfolge: geotechnische Untersuchungen entlang der geplanten Trassen, Prüfung auf Kampfmittel, Beräumung von Findlingen bis zwei Meter Größe und anschließendes Einspülen der Gräben. Die Auftragnehmer bereiteten 150 Kilometer Trassen für die Parkverkabelung vor, bevor sie zur 260 Kilometer langen Exportkabeltrasse zum Landanschluss in der Gemeinde Choczewo übergingen.
“Die Qualität der Grabenarbeiten und der Korridorvorbereitung wirkt sich unmittelbar auf die Installationssicherheit und den Schutz der Kabel nach der Verlegung aus”, sagte Ulrik Lange, Vice President und Managing Director des Projekts Baltica 2 bei Ørsted.
Verlegetiefe und Korridorvorbereitung machen den Unterschied zwischen einem Kabel, das einen schleifenden Anker übersteht, und einem, das es nicht tut. Praktisch gesehen ist das eine Sicherheitsmaßnahme, die ein kommerzieller Projektentwickler Jahre vor jedem Vorfall trifft.
Die politische Ebene ist regional, nicht EU-weit
Darum herum liegt ein Geflecht nationaler und bilateraler Arrangements. Polen und Litauen haben ihre energiesicherheitspolitische Zusammenarbeit auf bestehenden physischen Verbindungen aufgebaut – der Gasleitung GIPL und der Strombrücke LitPolLink -, wobei Polen nach der Synchronisierung der baltischen Staaten mit dem europäischen Netz als Stabilisator wirkt. Auf polnischer Seite sieht das Gesetz zur Sicherheit der Ostsee ein vom Grenzschutz betriebenes maritimes Sicherheitszentrum vor und erweitert die Befugnisse der Marine.
Litauen hat zudem gezeigt, wie verlegbare Kapazität in der Praxis aussieht. Ignitis Gamyba brachte 2.681 Tonnen Ausrüstung in 145 Lkw-Ladungen aus dem stillgelegten Heizkraftwerk TE-3 in Vilnius in die Ukraine, koordiniert über das EU-Katastrophenschutzverfahren. Die Lehre für die Ostsee ist nicht die Hilfe selbst, sondern die Logistik: schweres Energieequipment schnell zu bewegen setzt Vereinbarungen voraus, die vor dem Bedarfsfall getroffen wurden.
Worauf zu achten ist
Drei Entwicklungen zeigen, ob sich die Reparaturebene schließt. Ob die Nordsee-Kooperation der Übertragungsnetzbetreiber nach Abschluss ihres Machbarkeitsjahres auf Ostseebetreiber ausgeweitet wird. Ob Reparaturmodule und Ersatzkabelabschnitte in Ostseehäfen stationiert werden und nicht nur in Westeuropa. Und ob Stromkabel einen Finanzierungsweg erhalten, der dem heute für Telekommunikationskabel offenen vergleichbar ist. Bis dahin ruht die Widerstandsfähigkeit in der Ostsee stärker auf Prävention als auf der Fähigkeit zur schnellen Wiederherstellung – und Prävention hat auf einem so stark befahrenen Meer ihre Grenzen.








