Lettlands Außenministerin Baiba Braže schloss am 16. Mai 2026 einen Arbeitsbesuch in Estland ab, bei dem sie an der Lennart-Meri-Konferenz teilnahm — einem der bedeutendsten Sicherheits- und außenpolitischen Foren Nordeuropas. Sie skizzierte vier Prioritäten zur Stärkung der europäischen Sicherheit: den Aufbau militärischer Kapazitäten und der Verteidigungsindustrie, die Ausweitung der NATO-Präsenz an der Ostflanke, die langfristige Unterstützung der Ukraine sowie verstärkten Druck auf Russland durch Sanktionen.

Zur militärischen Lage Russlands war Braže direkt: “Zu sagen, die russische Armee bewege sich im Schneckentempo, wäre eine Beleidigung für Schnecken. Hätte eine Schnecke sich im Februar 2022 von Awdijiwka Richtung Westen bewegt, wäre sie inzwischen in Tschechien. Russland steckt noch immer im Donbas fest. Die Ukraine hat die Initiative ergriffen — wir müssen diesen Moment nutzen.”

Im Gespräch mit General Ingo Gerhartz, Befehlshaber des Alliierten Hauptquartiers in Brunssum, forderte Braže die Stärkung von NATOs Verteidigungsfähigkeiten an der Ostflanke, insbesondere der Luftverteidigung im Ostseeraum.

Mit dem estnischen Außenminister Margus Tsahkna vereinbarte Braže, dass die EU den Sanktionsdruck auf Russland erhöhen müsse — mit Fokus auf einnahmenbringende Sektoren, darunter die Schattenflotte in der Ostsee. Estland leitet derzeit das NB8-Format, den Rat der baltischen Minister und die Baltische Versammlung.

Die Lennart-Meri-Konferenz, organisiert vom Internationalen Zentrum für Verteidigung und Sicherheit, gilt als wichtigstes Forum für baltische und europäische Sicherheitspolitik.