Hitze und niedrige Flusspegel haben die Kernstromerzeugung in Europa eingeschränkt; Rumänien lief erstmals seit 2003 ohne Atomstrom.

Der Mechanismus ist die Kühlung. Thermische Kraftwerke an Flüssen benötigen Wasser mit ausreichend niedriger Temperatur und ausreichendem Volumen, um Abwärme abzuführen — bei anhaltenden Hitzewellen und Dürre versagen beide Bedingungen. Betreiber stehen vor der Wahl zwischen Leistungsreduktion und der Einleitung von Wasser, das Umweltgrenzwerte überschreitet.

Das ist inzwischen ein wiederkehrendes, kein außergewöhnliches Muster — und es widerspricht der Darstellung von Kernkraft als verlässlicher gesicherter Leistung, an der variable Erneuerbare gemessen werden. Verfügbarkeit, die ausgerechnet in der sommerlichen Lastspitze einbricht, hat ein anderes Risikoprofil als in der Kapazitätsplanung meist unterstellt.

Der Punkt ist nicht, dass Kernkraft generell unzuverlässig wäre — die jährlichen Auslastungsfaktoren bleiben hoch —, sondern dass korrelierte Ausfälle schwerer wiegen als durchschnittliche Verfügbarkeit. Eine Flotte, die beim selben Wetterereignis gemeinsam herunterfährt, verhält sich systemsicherheitstechnisch ähnlich wie ein einzelner Großblock.

Für die Energiesicherheitsplanung im Ostseeraum, wo Polens Kernkraftprogramm in Lubiatowo-Kopalino und SMR-Vorhaben in Estland und Finnland neben dem Offshore-Ausbau stehen, erscheint eine Küstenlage mit Meerwasserkühlung deutlich robuster als die derzeit belastete flussgekühlte Binnenflotte.

Quelle: IWR Energieletter 33/2026.