Finnlands Klima- und Umweltministerin Sari Multala hat am 7. September 2026 eine Delegation baltischer Energieminister zur Verkapselungsanlage und zum Endlager für abgebrannte Kernbrennstoffe von Posiva in Eurajoki geführt. Estlands Energie- und Umweltminister Andres Sutt und Lettlands Klima- und Energieminister Jānis Vitenbergs nahmen an dem Besuch teil, ebenso ein Vertreter des deutschen Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.
Der Besuch fällt in die Schlussphase eines 2021 begonnenen Genehmigungsverfahrens. Am 4. August gab die Strahlen- und Nuklearsicherheitsbehörde STUK eine positive Stellungnahme zur Betriebsgenehmigung und zur Sicherheitsbewertung der Anlage ab, die Voraussetzung für die Erteilung der Genehmigung war. Das Ministerium für Wirtschaft und Beschäftigung kann nun einen Vorschlag für die Regierungsentscheidung über Posivas Antrag vorbereiten; laut Multala könnte dieser im Oktober der Regierung vorgelegt werden.
„Posivas Verkapselungsanlage und Endlager sind technisch fertig und können bald in Betrieb gehen“, sagte Multala und bezeichnete das Ergebnis von mehr als 40 Jahren Arbeit als weltweit erstes Endlager für abgebrannte Kernbrennstoffe. „Das Projekt ist ein gutes Beispiel dafür, dass sowohl die Erzeugung von Kernenergie als auch die Entsorgung nuklearer Abfälle verantwortungsvoll gehandhabt werden können.“
Die Delegation reiste außerdem nach Helsinki, um die Pilotanlage für einen kleinen modularen Reaktor von Steady Energy zu besichtigen. Das Unternehmen errichtet auf dem Gelände des stillgelegten Kohlekraftwerks Salmisaari im Stadtzentrum eine Pilotanlage in Originalgröße für seinen Fernwärmereaktor LDR-50. Die Anlage enthält keinen Kernbrennstoff; das Wasser im Reaktorkreislauf wird mit elektrischen Widerständen erhitzt. Multala erklärte, die Regierung fördere SMR, um die Wärmeversorgung zu dekarbonisieren und die Verbrennung zu verringern, bei gleichzeitig höherer Versorgungssicherheit.
Bemerkenswert ist die Gästeliste. Estland bereitet ein eigenes Kernenergieprogramm vor und hat ein Kernenergiegesetz verabschiedet; Lettland prüft Optionen für gesicherte CO2-arme Kapazität, während es sich aus der Gasabhängigkeit löst. Beide Länder orientieren sich am finnischen Modell, in dem Wind einen wachsenden Anteil des Stroms liefert und die Kernkraft die stabile Basis bildet. Mit dem Endlager Onkalo schließt Finnland zudem die Abfallfrage, die Nukleardebatten anderswo in der Region blockiert hat. Eine Genehmigungsentscheidung im Herbst würde das Land zum ersten machen, das abgebrannte Brennstoffe in ein dauerhaftes geologisches Tiefenlager überführt.








