Die Windbranche begeht den Global Wind Day am 15. Juni mit einer Kampagne rund um die Beteiligung lokaler Gemeinden. Die diesjährige Ausgabe „Our Wind, Our Community”, getragen von WindEurope gemeinsam mit dem Global Wind Energy Council und nationalen Verbänden, zeigt, wie Anwohner von Windparks profitieren — und fordert die Politik auf, die Beteiligungsmodelle zu schützen, die dies ermöglichen.

Windenergie deckt heute rund 20% des in Europa verbrauchten Stroms und beschäftigt etwa 440.000 Menschen in mehr als 250 Fabriken. Die weltweit installierte Leistung überschritt 2023 die Marke von 1 TW und erreichte Ende 2025 1,3 TW; allein im vergangenen Jahr kamen rekordverdächtige 165 GW hinzu. Laut WindEurope verfügen die meisten europäischen Länder bereits über verpflichtende oder stark geförderte Modelle zur Gewinnbeteiligung — von niedrigeren Stromrechnungen über Gemeindefonds bis hin zu Miteigentum.

Die Kampagne sammelt konkrete Beispiele. Im spanischen Celado Fusión finanzierten Einnahmen aus einem lokalen Windpark ein Schwimmbad, einen Padel-Platz und einen Taxidienst für ältere Einwohner — in einer Region, die seit Jahrzehnten Bevölkerung verlor. Im französischen Andilly-les-Marais — dem diesjährigen Gewinner des Fast and Fair Renewables Award — investierten 380 Anwohner 1,2 Mio. Euro, um ein Drittel des örtlichen Windparks mitzubesitzen, der jährlich 62.000 Euro in lokale Bildung und Infrastruktur zurückfließen lässt. Europaweit zahlt die Branche 2,3 Mrd. Euro pro Jahr an lokalen Steuern und ist damit oft der größte Einzelbeitrag zu den Haushalten ländlicher Gemeinden.

WindEurope nutzte den Anlass, um vor einem Entwurf von EU-Regeln zu warnen, den der Verband als zu kleinteilig ansieht. Die Vorschläge duplizierten nationale Beteiligungsrahmen, ließen zu wenig Raum für lokale Lösungen und könnten Kosten so erhöhen, dass die Wirtschaftlichkeit von Projekten gefährdet werde. „Diese Beteiligungsmodelle funktionieren. Lasst sie uns nicht überregulieren”, sagte WindEurope-Geschäftsführerin Tinne Van der Straeten. Flexibilität, die auf lokale Bedürfnisse zugeschnitten sei, liefere bessere Ergebnisse als starre Regeln; zu strenge Vorgaben drohten den Ausbau zu verlangsamen, den Europa für Energiesicherheit und Wettbewerbsfähigkeit brauche.

Die Debatte ist für die Ostseeregion von Bedeutung, wo die Projektpipelines an Land und auf See rasch wachsen. Polens Onshore-Sektor erholt sich nach der Lockerung der 10H-Abstandsregel, und dieselben Fragen nach gesellschaftlicher Akzeptanz, Gewinnbeteiligung und lokalem Miteigentum prägen heute Projekte von Pommern bis ins Baltikum. Wie Brüssel das Regelwerk zur Beteiligung formuliert, wird mitentscheiden, ob dieser Ausbau die Gemeinden an seiner Seite hält.