Geplante Änderungen am Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und am Netzpaket könnten den Windkraftausbau in Deutschland ausbremsen und einen Einbruch auslösen, der schwerer wäre als der ab 2017 — davor warnte die Präsidentin des Bundesverbands WindEnergie (BWE), Bärbel Heidebroek, in einem Interview mit dem Sender ntv am 31. Mai 2026.

Heidebroek sagte, die Genehmigungen hätten sich deutlich verbessert — das Fraunhofer ISE erwarte in diesem Jahr rund dreimal so viele in Betrieb genommene Anlagen wie im Vorjahr — doch das Ausschreibungsvolumen sei nun der Engpass. Bei rund 10 Gigawatt Ausschreibung in diesem Jahr gegenüber mindestens 20 bereits genehmigten Gigawatt werde rund die Hälfte der genehmigten Projekte unabhängig vom Preis keinen Zuschlag erhalten. “Die Bundesregierung hat es in der Hand”, sagte sie.

Sie kritisierte den vom Wirtschaftsministerium vorgelegten Entwurf für Differenzverträge (CfD), bei dem die vorgesehene Unter- und Obergrenze identisch sind. Das nehme Entwicklern jeden Anreiz, niedriger zu bieten, und jeden Spielraum, am Markt zusätzliche Erlöse zu erzielen; ein Korridor zwischen den Grenzen würde Betreibern mehr Ertrag ermöglichen und über niedrigere Gebote zugleich die Kosten für die Allgemeinheit senken. Statt die Erzeugung abzuregeln, sollten Speicher, Rechenzentren und Elektrolyseure an Windparks angesiedelt werden.

Der Austausch mit Wirtschaftsministerin Katherina Reiche sei minimal, sagte Heidebroek, und sie warnte vor Arbeitsplatzverlusten, falls die Entwürfe unverändert kämen. Sie verwies darauf, dass Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein im Bundesrat eine Sonderausschreibung für Onshore-Windenergie von 5 Gigawatt fordern, und dass Deutschland in diesem Jahr fossile Energieträger für schätzungsweise 99 Milliarden Euro importieren werde.