Mit dem Ausbau von Offshore- und Onshore-Windparks suchen Forschende die nächsten Ertragssprünge in größerer Höhe. Ein aktueller technischer Überblick zu Flugwindkraftanlagen (Airborne Wind Energy Systems, AWES) zeigt, wo die Technologie steht und was ihren kommerziellen Einsatz noch blockiert.

Das Argument für die Höhe ist einfach. Konventionelle Turbinen nutzen Wind unterhalb von etwa 200 Metern, wo die Geschwindigkeiten geringer und turbulenter sind und der typische Kapazitätsfaktor unter 35 Prozent bleibt. Höhere Türme helfen, doch die Kosten steigen mit der Höhe stark an. AWES — angeleinte Drachen, Gleiter oder Drohnen, die in größeren Höhen fliegen — sollen die stärkeren und gleichmäßigeren Winde oberhalb dieser Grenze erschließen und dabei deutlich weniger Material verbrauchen als eine Turbine mit Turm und Fundament.

Der Überblick stellt die Technologie der Größe der Aufgabe gegenüber. Der Global Wind Energy Council meldete für 2024 einen Zubau von 117 GW Windleistung, womit die kumulierte Leistung auf über 1136 GW stieg; eine Verdreifachung der erneuerbaren Kapazitäten bis 2030 würde jedoch rund 320 GW neue Windleistung pro Jahr erfordern — ein Tempo, das 2024 nur zu etwa drei Vierteln erreicht wurde. Leicht zugängliche Standorte in geringer Höhe füllen sich, was das wachsende Interesse an Höhenkonzepten teils erklärt.

Derselbe Überblick macht deutlich, dass technische Herausforderungen bestehen bleiben. Zuverlässige autonome Flugsteuerung, langlebige Seile, planbare Stromerzeugung und Zertifizierung sind ungelöste Fragen, und kein AWES-Entwurf hat bisher die Reife konventioneller Turbinen erreicht. Vorerst ist die Technologie eine Ergänzung und kein Ersatz für die Offshore- und Onshore-Windkraft, die im Ostsee- und Nordseeraum ausgebaut wird.