Die neueste Generation von Klimamodellen bildet die beobachtete Realität inzwischen so genau ab, dass nicht mehr die Modelle die wichtigste Grenze der Klimaberechnung sind, sondern die Qualität der Beobachtungsdaten. Das ist das Ergebnis einer Studie unter Leitung von Dr. Lukas Brunner vom Exzellenzcluster CLICCS der Universität Hamburg, veröffentlicht in Communications Earth & Environment.

Brunner und Kollegen untersuchten 176 Klimamodelle aus den vergangenen 30 Jahren und verglichen ihre Temperaturkarten mit zehn Beobachtungsdatensätzen statt mit einer einzigen Referenz. Im Durchschnitt sind die Modelle deutlich genauer geworden, der Fortschritt ist jedoch ungleich: “Nimmt man ein wirklich gutes Modell aus den 1990er Jahren, entspricht seine Leistung etwa der eines mittelmässigen Modells von heute.”

Die Studie hebt die neuesten Modelle im Kilometermassstab hervor, die das Klimasystem auf Gittern von fünf bis zehn Kilometern simulieren statt des früheren Standards von rund 100 Kilometern. Diese Auflösung erlaubt es, Prozesse wie die Bildung von Gewitterzellen direkt zu simulieren statt sie zu approximieren. Die Arbeit räumt zudem mit einer verbreiteten Annahme auf: Eine blosse Verdopplung der Auflösung verbessert die Ergebnisse nicht, wenn Modellphysik und Abstimmung nicht ebenfalls angepasst werden.

Für den Ostseeraum, wo Wind-, Niederschlags- und Sturmmuster sowohl den Energieertrag als auch das Küstenrisiko prägen, ist die Verlässlichkeit regionaler Klimaprojektionen mehr als akademisch. Bessere Modelle speisen die IPCC-Berichte und die regionale Anpassungsplanung, auf der Energie- und Infrastrukturentscheidungen zunehmend beruhen.